Geboren am 13. Juni 1786 in der Nähe von Petersburg (Virginia), diente Winfield Scott über 20 Jahre als Oberbefehlshaber der Armee den Vereinigten Staaten.
Er war bereits ein lebender Held für Amerika, übertroffen nur durch die Leistungen George Washingtons. Scott war bereits 75 Jahre alt als der Bürgerkrieg begann.
Zu dieser Zeit hatte der Sohn Virginias welcher der Union die Treue hielt, bereits den Höhepunkt seiner brillianten Karriere überschritten. Seine Kriegserfahrungen hatte er im Feldzug gegen die Black Hawk, den Seminolenkriegen, im Krieg von 1812 und als Kommandant der amerikanischen Truppen im Feldzug gegen Mexiko gesammelt.
Als Politiker war er weniger erfolgreich, als Präsidentschaftskanidat unterlag er 1852.
Winfield Scott hatte einen ausgeprägten Hang für Galauniformen und militärischen Pomp und handelte sich so den Spitznamen "Old Fuss and Feathers" ein. Bei Kriegsbeginn litt er an Wassersucht, Schwindelanfällen, wog an die 300 Pfund und konnte kein Pferd mehr reiten.
Zuweilen schlief er auch bei langweiligen Konferenzen einfach ein. Er war sich seiner Schwächen sehr wohl bewußt und ersuchte daher den Präsidenten Lincoln um seine Entlassung aus dem Feldkommando. Als Nachfolger schlug er den Virginier Robert E. Lee vor.
Nachdem dieser jedoch dankend ablehnte und sich dem Süden zur Verfügung stellte, erhielt diese Position George B. McClellan. Zwischen diesen beiden Männern kam es vermehrt zu Differenzen. McClellan began Scott in seiner Funktion als Oberbefehlshaber zu übergehen und ihn in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen.
Scott sah trotz seines fortgeschrittenen Alters die Dinge sehr realistisch. Er lehnte einen Eroberungskrieg gegen die rebellierenden Staaten rigoros ab. Dies führe nur zu verwüsteten Landstrichen und unversöhnlichen Standpunkten.
Er entwickelte seinen "Anakonda-Plan". Nach diesem sollte der Süden durch Blockaden zu Land und zur See eingeschnürt und zur Aufgabe gezwungen werden. Abgesehen davon war er überzeugt das die Unionsarmee für einen Eroberungskrieg zur Zeit einfach nicht brauchbar war.
Die Berufsarmee war zu klein, und die 90 Tage-Regimenter waren für ihn ein Haufen blutiger Anfänger und unbrauchbar. Er forderte eine Dienstzeit von 3 Jahren und eine mehrmonatige Ausbildung für die Truppen, bevor man sie ins Feld schickte. Jedoch war er sich auch der politischen Lage bewußt:
"Die Ungeduld unserer patriotischen und loyalen Unionsfreunde. Sie werden auf sofortiges, energisches Handeln drängen, ohne dabei, wie ich fürchte, die Folgen zu bedenken."
Und er sollte Recht behalten. Der Druck der öffentlichen Meinung führte zu einem "auf nach Richmond", welches in dem Debakel bei Bull Run endete. Nach diesem verlorenen Waffengang wurden die ersten Freiwilligenregimenter schon für drei Jahre verpflichtet.
McClellan argumentierte jedoch weiter gegen den Anakonda-Plan des alten Generals und gab seiner Umgebung unverblümt zu verstehen er halte den alten General schlicht für senil.
Am 1. November, nach der Niederlage bei Ball`s Bluff, akzeptierte Lincoln endlich das Rücktrittsgesuch von Scott. Sein Nachfolger als Oberbefehlshaber wurde McClellan.
Winfield Scott schrieb nun seine Erinnerungen nieder, reiste durch Europa, und sah aus der Ferne, daß die Grundzüge seines Anakonda-Planes im Laufe des Krieges genau jene Auswirkungen zeigten die er vorausgesagt hatte. Er erlebte noch die Niederlage der Konföderierten bevor er am 29. Mai 1866 verstarb.
© by Heinz 'Colonel' Cekada 2003
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