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21. JULI 1861 Die Schlacht bei Manassas (Bull Run)

Nach der Wegnahme von Fort Sumter trafen die beiden Konfliktparteien intensive Kriegsvorbereitungen. Im Norden forderte der Präsident Lincoln die Einberufung von ca. 75 000 Milizsoldaten, um die "Revolte" niederzuschlagen.

 

Dieser Aufruf veranlasste in ihrer Haltung noch unentschiedenen Staaten wie Virginia, Tennesse und North Carolina dazu sich der Konföderation anzuschließen.

 

Der Konflikt entwickelte im Norden wie im Süden ein eigentümliches Selbstbewusstsein der Normalbürger, welche nun die Rolle von Soldaten übernahmen. Im Süden war man der Meinung die Yankees würden niemals ernsthaft kämpfen.

 

Nach dem moralischen Sieg von Fort Sumter glaubte man auch dem Norden fehlte der Mut für eine "echte" Schlacht. Außerdem glaubte man an eine physische, moralische und geistige Überlegenheit des Südens.

 

Die Soldaten welche die Union verteidigten waren ihrerseits fest entschlossen, die Verletzung der Unionsverfassung zu rächen. Man hielt die Konföderierten für nicht ernst zu nehmende Aufsässige, deren Revolte man mit einer schnellen Kampagne niederschlagen und beenden wollte.

 

Im Juli erscholl ungeduldigen Norden der Ruf "Auf nach Richmond" im Glauben, eine rasche Einnahme der Hauptstadt der Konföderierten würde den Konflikt beenden.

Der Oberbefehlshaber des Heeres der Union, der alte Kriegsheld Generalleutnant Winfield Scott befahl nur widerstrebend und auf Grund des politischen Druckes die Offensive gegen den Süden. Brigadegeneral Irvin Mc Dowell erhielt hierzu das Kommando über die Potomac-Armee.

 

Washington lag nur 160 Kilometer von der neuen Hauptstadt des Südens, Richmond, entfernt. Beide Seiten gingen davon aus, daß sich das Schicksal Amerikas hier entscheiden werde. Aus geographischen Gründen benötigte der Süden in diesem Bereich zwei Armeen.

 

Die Hauptarmee musste zwischen Richmond und Washington, möglichst nahe am Potomac positioniert werden um den Norden Virginias zu verteidigen. 160 Kilometer weiter westlich gab es einen weitern wichtigen strategischen Bereich in Virginia: das Shenandoah-Tal.

 

Es erstreckte sich von Nordosten nach Südwesten, vom Potomac ins Kernland Virginias hinein. Es bot den Truppen der Union von der Geographie her beste Voraussetzungen für eine Invasion und ermöglichte einen Angriff auf die Konföderierten aus der Tiefe. Der Süden musste dieses Tal daher unter seiner Kontrolle halten.

 

Das Gebiet um Manassas wies eine Besonderheit auf: Die Manassas Gap Railroad verlief vom Eisenbahnknotenpunkt nach Westen, quer durch die Berge ins Shenandoah-Tal, und stellte damit die am weitesten nördlich gelegene Ost-West-Verbindung zwischen den beiden Seiten der Blue Ridge Mountains dar.

 

Die Bedeutung dieser Situation wurde von beiden Seiten erkannt. Solange der Süden die Kontrolle in diesem Tal behielt, konnte er seine Truppen rasch von einer Seite der Berge zur anderen verschieben, und somit seine Streitkräfte leicht konzentrieren. Ein Umstand der bei der zahlenmäßigen Unterlegenheit der Konföderierten schwer wog.

 

Der Norden verfolgte daher von Anfang an die Strategie, beide Stellungen der Konföderierten gleichzeitig anzugreifen. Mc Dowell sollte in Richtung Manassas Junction vorrücken, während eine kleinere Freiwilligenarmee unter General Robert Patterson den Potomac überqueren und den Norden des Shenandoah-Tales nehmen sollte. In der Folge sollte Patterson nach Süden vorstoßen um die Konföderierten in diesem Tal zu binden und von der Manassa-Gap Linie zu verdrängen.

 

Am 08. Juli hätte Mc Dowell sich mit seinen 30 000 Mann in Richtung Richmond in Bewegung setzen sollen. Aber der Abmarsch verzögerte sich, da die in letzter Minute eingetroffenen Regimenter den Brigaden und Divisionen zugeteilt werden mussten.

 

Am 16. Juli begann schließlich der Abmarsch, aber bei den ersten Soldaten endete bereits die 90tägige Dienstzeit. Dies führte dazu dass ein Infanterieregiment und eine Artilleriebatterie am Vorabend vor der Schlacht einfach nach Hause gingen. Erschwert wurde der Marsch durch den Umstand, daß das Kriegsministerium keine verlässlichen Karten über Nordvirgina besaß. Man war daher auf örtliche Führer angewiesen, welche nicht immer verlässlich erschienen.

 

Der Süden war durch Spione über den Anmarsch der Yankees informiert. General Beauregard hatte seit 1. Juni das Kommando über die konföderierten Truppen am Bull Run. Es erwies sich als vorteilhaft, daß er mit dem Gelände sehr vertraut war.

Der Bach Bull Run stellte die beste Verteidigungslinie dar. Seine Ufer waren zu steil für Infanteristen, erst recht für die von Pferden gezogene Artillerie und Versorgungszüge des Feindes. Und das Wasser war so tief das es nur an Furten überquert werden konnte.

 

Hier wurde die Verteidigung konzentriert, an den Furten und an der Steinbrücke über den Bull Run. Beauregard erkannte mit geschultem Blick für das Gelände, daß er alle größeren Übergänge verteidigen konnte wenn er seine Truppen an zwei Stellen positionierte:

 

Bei Henry Hills nahe der Steinbrücke und in der Nähe der Mc Lean´s Furt. Er war aber mit der Verteidigung nie zufrieden. Er bat den Präsidenten (Davis) ihm Generalleutnant Johnston mit seinen Truppen aus dem Shenandoah-Tal zur Verstärkung zu schicken, vorerst ohne Erfolg.

 

Die vorrückenden Unionstruppen ließen Beauregard viel Zeit. Keiner der Kommandeure wusste wie man Zehntausende von Soldaten in langen Kolonnen über die Landstraßen führen sollte. Außerdem hatten die Soldaten der Union große Angst vor verdeckten Batterien und Hinterhalten.

 

In Wirklichkeit stießen sie jedoch nur auf unbedeutenden Widerstand, legten jedoch am ersten Tag ihres Vormarsches nur rund 15 km zurück. Nachdem der Norden über keine Kavallerie und damit über keine Aufklärung verfügte, machte sich Mc Dowell selbst auf um sich ein Bild vom Gelände zu machen. Er suchte vor allem eine Stelle, an der er den Bull Run überqueren konnte um in den Rücken von Beauaregards Stellungen zu kommen.

 

Sein Angriffsplan sah nunmehr vor mit Teilen zur Ablenkung direkt zum Bull Run vorzustoßen, und mit zwei Divisionen nach Nordwesten zu marschieren um den Bach an der Sudley Furt zu durchwaten.

 

Am Abend des 18.Juli erhielt Beauregard endlich die ersehnte Nachricht das Johnston zur Unterstützung anrücken würde. Johnston war es gelungen Patterson auszumanövrieren, verlustreiche Gefechte zu vermeiden und ihm aus dem Shenandoah-Tal zu entwischen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde das moderne Transportmittel der Eisenbahn benützt um Truppen rasch zu verlegen und so das Schwergewicht zu ändern.

 

Am 21.Juli setzten sich die Truppen Mc Dowells um 2 Uhr morgens in Bewegung. Der nächtliche Anmarsch wurde zur Qual, und man kam nur langsam voran.

 

Mc Dowells Vortruppen stießen unter der Führung von Generalmajor Hunter von Centreville aus zur Warrenton Landstraße vor, um - gefolgt von der Division von Generalmajor Heintzelmann - weiter flussaufwärts an der Sudley Furt den Bull Run zu überqueren.

 

Generalmajor Tyler sollte in dieser Zeit mit seinen Kräften zur Steinbrücke vorrücken. Beauregard wurde völlig überrascht. Er hatte einen Angriff auf seine rechte Flanke erwartet und deshalb die Masse seiner Truppen zu den unteren Furten geschickt, während er links im Bereich der Steinbrücke nur mehr eine halbe Brigade unter der Führung von Brigadegeneral Nathan Evans stehen hatte.

 

Mc Dowells Plan funktionierte anfangs wie gewünscht. Tyler erfüllte seine Aufgabe gut und Hunter überquerte den Bach in Sudley ohne größeren Widerstand vorzufinden. Evans erkannte die Bedrohung aus der linken Flanke und es gelang ihm die ersten Vorstöße der Unionstruppen in Schach zu halten. Er schaffte dies sogar noch als Heintzelmanns Division eingetroffen war. Beauregard handelte schnell und sandte Verstärkung zur gefährdeten linken Flanke.

 

Nach dem Eintreffen dieser Verstärkungen starteten die Konföderierten einen Gegenangriff, wurden jedoch wieder zum Henry Hill zurückgedrängt. Nun erschien auch die Brigade Jackson auf der Seite der Rebellen am Kampfplatz und kurz darauf weitere Verstärkungstruppen. Es gelang den Rebellen die Frontlinie zu stabilisieren und die wechselseitigen Angriffe dauerten noch zwei weiter Stunden.

 

Die Frontlinie wurde mit dem Eintreffen neuer Truppen immer länger und dehnte sich nunmehr nach Südwesten aus. Tyler gelang es den Bull Run an einer Furt nahe der Steinbrücke zu überqueren, während der Kampf um Henrys Hill immer verzweifelter wurde. Schließlich gewannen die Konföderierten die Oberhand.

 

Howards Unionsbrigaden erschienen gerade am äußerst rechten Ende der Frontlinie, als neue Truppen der Rebellen auftauchten und begannen seine Flanke zu durchbrechen. Als immer mehr konföderierte Regimenter an der bröckelnden Flanke auftauchten erfolgte auch ein beherzter Kavallerieangriff von Generalmajor Jeb Stuarts Südstaatenkavallerie.

 

In der Folge zerbrach die Flanke der Nordstaaten und Panik begann sich auszubreiten. Als die Unionstruppen sich zurückziehen wollten schlug dies in wilde Flucht um. Die Soldaten begannen ihre Ausrüstung wegzuwerfen und rannten nur mehr um ihr Leben. Die Flucht endete erst vor Washington.

 

Der Süden seinerseits war nicht in der Lage mit seinen erschöpften und desorganisierten Truppen eine wirkungsvolle Verfolgung oder ein Nachstoßen nach Washington durchzuführen.

 

Verglichen mit späteren Schlachten waren die Verluste gering. Rund 400 Konföderierte wurden getötet, 1600 verwundet, von denen 225 in der folge starben. Auf Seite der Union gab es rund 625 Tote und tödlich Verletzte, 950 nicht tödlich Verletzte und über 1200 Gefangene.

 

Diese Schlacht deckte die Mängel der Truppen und Führer auf beiden Seiten schonungslos auf. Viele Offiziere hatten zwar Kampferfahrung aus den Indianerkriegen und aus dem Feldzug gegen Mexiko, viele waren auch West Point Absolventen, aber die Führung solcher Truppenmassen hat keiner jemals vorher durchgeführt noch gelernt. Strategie stand auch in West Point nicht im Vordergrund, sondern Pionierwesen, Festungswesen, Armeewesen und Mathematik.

 

Taktik gab es nur als Draufgabe. Im Norden wie im Süden war es durchaus üblich das die Wehrpflichtigen in den Freiwilligenregimentern sich ihre Offiziere selbst wählten. Die Berufsarmee stand in der Beziehung auf Ausbildung und Führerschaft zwar besser da als die Miliz, aber auch gab es oft politischen Einfluss bei der Stellenbesetzung.

 

Offiziere welche bis dahin nur eine Kompanie befehligt hatten, waren nun gefordert ganze Regimenter oder Brigaden zu führen. Die Soldaten waren durchwegs mutig und kampfeswillig, aber meist schlecht ausgebildet und ausgerüstet. Das Fehlen der Kavallerie hat den Norden um brauchbare Aufklärungsergebnisse gebracht.

Die Uniformen der Soldaten auf beiden Seiten war alles andere als einheitlich. Die Regimenter traten zum Teil in kunterbunten Uniformen auf, bis hin zu den New Yorker Regiment im "Zuave"-stil.

 

Die Vielfalt der Uniformen auf Unions- wie Konföderiertenseite und die Ähnlichkeit mancher Uniformen der gegnerischen Lager führten in dieser Schlacht zu tragischen Verwechslungen. Auch die mitgeführten Nationalflaggen führten zu Verwechslungen.

 

Die "Stars and Stripes" des Nordens sahen im Gefecht und Pulverdampf immer wieder mit den "Stars and Bars" (elf Sterne auf blauem Grund in der Ecke einer Flagge mit zwei roten und einem weißen waagerechten Balken) der Konföderation zum verwechseln ähnlich.

 

Später entwarf Beauregard eine neue Feldflagge mit weißen Sternen in einem blauen Andreaskreuz auf rotem Grund, das heute noch bekannte Banner der Konföderation.

Die nachhaltigsten Folgen dieser Schlacht waren psychologischer Art und durchaus paradox.

 

Der Süden gefiel sich im überschwänglichen Siegestaumel und sah sich in seiner Überheblichkeit gegenüber dem Norden bestätigt. Der Südstaatler sei einfach der bessere Soldat, und der Süden hätte die besseren Offiziere.

 

Unmittelbar nach der Schlacht waren viele Nordstaatler in ihrer Scham und Verzweiflung durchaus geneigt diesem Urteil zuzustimmen. Langfristig aber sorgte die Niederlage bei Manassas im Norden nicht für Defätismus, sondern für ein Aufflammen des Kampfgeistes.

 

© by Heinz 'Colonel' Cekada 2003

 

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Letztes Update: 26.05.2008


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