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HAMPTON ROADS

USS Monitor eines der ersten PanzerschiffeDas erste Gefecht zweier "Panzerschiffe"

Der Beginn eines neuen Abschnittes in der Seekriegsführung

Hampton Roads ist ein Kanal durch den 3 Flüsse Virginias (der James, Nansemond und Elizabeth) in die Chesapeake Bay fließen. Die Truppen der Union hielten die nördliche Seite des Kanals mit Fort Monroe und Newport News in ihrer Hand. An der Südseite des Kanals lagen Norfolk und der Gosport-Marinehafen, besetzt durch Truppen der Konföderierten seit die Union den Hafen zu Kriegsbeginn aufgegeben hat. Der Kanal selbst wurde durch Flotte der Union kontrolliert, ein Umstand der den Kanal als Verbindung nach Richmond für den Süden blockierte.

Der Süden hatte in Bezug auf die Marine keine alten Traditionen und daher wenig Vorurteile Neuerungen gegenüber. So genehmigte Secretary Mallory im Juni 1861 den Bau eines gepanzerten Schiffes. Im Juli 1861 beginnt der Süden den Umbau der US-Fregatte Merrimack. Dieses Schiff war vom Norden bei der Aufgabe des Hafens versenkt und vom Süden wieder gehoben worden. Der Süden begann den Holzrumpf der geborgenen Merrimack mit einer gepanzerten Kasematte zu überziehen.

Die Eisenwerke des Südens (Tredegar-Werke) gerieten mit dieser Aufgabe ab die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Es waren zwei Lagen von jeweils zwei Zoll dicken Eisenplatten anzufertigen, welche den Aufbau des Schiffes über der Wasserlinie auf 178 Fuß Länge und 24 Fuß Höhe schützen sollten. Weiters eine ein Zoll dicke Lage, welche den 264 Fuß langen Rumpf bis in drei Fuß Tiefe unter der Wasserlinie umgab. Zusätzlich wies der Aufbau des Schiffes eine Neigung von 36 Grad auf, so daß feindliche Geschoße an ihm abprallen sollten.

Dies verlieh dem Schiff ein seltsames Aussehen, es erinnerte an eine schwimmende Scheune von der man nur das Dach mehr sah. Bewaffnet wurde das Schiff mit 10 Geschützen (7-Zoll Pivotgeschützen), vier auf jeder Breitseite und je eines an Bug und Heck. Darüber hinaus verfügte das Schiff über einen eisernen Rammsporn, welcher den Rumpf von Holzschiffen durchbohren sollte.

Die Nachteile dieses neuen Schiffes waren aber nicht zu übersehen: Die Maschinen waren nicht recht zuverlässig. Da der Süden über keine Möglichkeiten verfügte Maschinen von notwendiger Stärke selbst zu bauen, wurden die alten Maschinen der Merrimack (welche die US-Vorkriegsmarine bereits ausgemustert hatte und durch neue ersetzen wollte) instand gesetzt.

Das Schiff hatte nunmehr einen Tiefgang von 22 Fuß, verursacht durch die schwere Panzerung. Dadurch wurde ein operieren in flachen Gewässern unmöglich, andererseits war das Schiff aber auch nicht geeignet für Operationen auf hoher See. Das Panzerschiff war auf Grund der schwachen Maschinen und der unbeholfenen Form nur schwer manövrierbar und langsam.

Sie brachte es gerade auf vier bis fünf Knoten und brauchte für eine Kehrtwendung um 180 Grad eine halbe Stunde. Die Probleme wurden zum Teil erst nach dem Stapellauf des Schiffes sichtbar. Trotzdem setzte der Süden große Hoffnungen in diese neue Waffe welche unter strenger Geheimhaltung gebaut wurde.

Das Vorhaben blieb aber nicht lange wirklich geheim. Der Norden verfügte über eine konventionelle Kriegsmarine, die allem überlegen war was der Süden aufbieten konnte. Marineminister Welles war vor allem mit dem Ausbau der Blockadeflotte beschäftigt und hatte vorerst keine Lust zu irgendwelchen Experimenten.

Erst die Gerüchte um den Bau eines Panzerschiffes der Konföderation veranlaßten den Kongreß, den Minister am 03 August 1861 per Gesetz zum Bau von drei Prototypen solcher Panzerschiffe zu veranlassen.

Der Minister setzte daraufhin eine Marinekommission ein, welche die von den Schiffsbauern eingereichten Entwürfe zu prüfen hatte. Die Kommission akzeptierte zwei Entwürfe, welche zum Bau der "Galena" und der "New Ironsides" führten. Schiffe konventioneller Bauart - aber mit Eisenplatten gepanzert.

Und dann war da noch der schwedische Emigrant John Ericsson, welcher durch frühere schlechte Erfahrungen mit der US-Navy sozusagen beleidigt, keinen Entwurf eingereicht hatte. Dieser geniale Konstrukteur mußte erst durch einen befreundeten Schiffsbauer dazu überredet werden, seinen radikalen Neuentwurf vorzulegen.

Und dieser Entwurf war wirklich radikal:

Auf einem von einer dünnen Eisenplatte überzogenen Holzrumpf sollte ein 172 Fuß langes, flaches Deck liegen, dessen Seitenwände unter der Wasserlinie heruntergezogen und durch eine 4,5 Zoll dicke Panzerung gesichert waren. Anker, Schiffsschraube und alle wichtigen Maschinen lagen unter diesem schützenden Gehäuse, welche nach Ericssons Plänen kaum zwei Fuß aus dem Wasser ragen sollte.

Das Ganze erinnerte im Aussehen an ein Floß und bot außerdem nur eine geringe Zielfläche für gegnerische Geschütze. Auf diesem Flachdeck stand nun die bedeutsamste Neuerung: Ein um 360 Grad drehbarer Turm, gepanzert mit 8 Zoll dicken Eisenplatten.

In diesem Turm befanden sich zwei 11 Zoll Geschütze, welche in jede Richtung feuern konnten. Durch diesen Turm und den geringen Tiefgang von nur 11 Fuß, die geringe Verdrängung (1200 Tonnen- nur ein Viertel von der umgebauten Merrimack) und die Geschwindigkeit von 8 Knoten sollte das Schiff wendig und manövrierfähig sein. Es sollte schwerfällige Gegner umfahren und in jede gewünschte Richtung feuern können, ohne das Schiff selbst in eine bestimmte Position zum Gegner gebracht manövrieren zu müssen.

Welles und auch Lincoln waren von diesem Entwurf beeindruckt. Es blieben aber Zweifel an der Seetüchtigkeit des Schiffes. Ericsson erschien persönlich vor der Marinekommission um seinen Entwurf zu erläutern.

Das Marineministerium erteilte schließlich den Auftrag zum Bau des Schiffes, allerdings mit einer Rückversicherung: Sollte das Schiff kein "Erfolg" sein, hätte der Schiffsbauer die Kosten von $ 275 000 der Regierung zurückzuerstatten. Die Union wollte das Schiff in hundert Tagen einsatzbereit haben, dieser Termin war allerdings nicht zu halten.

Obwohl der Norden später mit dem Bau dieses Panzerschiffes begonnen hatte, lief es bereits am 30. Jänner 1862 vom Stapel - zwei Wochen vor der umgebauten Merrimack. Im späten Februar erfuhr die Union über Spione, daß der Umbau des Südens vor dem Abschluß stand - die Fertigstellung des eigenen Panzerschiffes wurde daher eine dringliche Aufgabe.

Ericssons Schiff erhielt den Namen USS Monitor. Der Plan der Union war es, mit diesem Panzerschiff in die Werftanlagen von Norfolk zu laufen und dort die Dockanlagen und die unfertige umgebaute Merrimack zu zerstören. Am 28 Februar verläßt die USS Monitor den Hafen von New York.

Sie hat aber noch eine weite Seereise von ihrem Ziel, Hampton Roads, entfernt. Eine gefahrenvolle Fahrt für das kaum wirklich seetüchtige Schiff. Schwere See, hohe Wellen welche über Deck schlagen und immer wieder die Dampfkessel und den Antrieb gefährden, werden zu einer harten Probe für die USS Monitor. Als die schwere See abklingt schleppt man die USS Monitor durch relativ ruhige Küstengewässer Richtung Hampton Roads.

In der Zwischenzeit ist der Umbau der Merrimack fertig zur ersten Ausfahrt. Umbenannt in CSS Virginia läuft sie am 08 März aus Norfolk aus. Zu einer Probefahrt, wie Kommandant und Mannschaft glauben. Es wird aber der Ernstfall. Kommandant der CSS Virginia ist Commodore Franklin Buchanan, ein erfahrener Mann zur See, zu diesem Zeitpunkt bereits 61 Jahre alt.

Er war erster Superintendent der US Naval Academy und Begleiter von Commodore Perry bei seinen Expeditionen welche Japan für die westliche Welt öffneten. Bei Kriegsbeginn verläßt Buchanan die US - Navy und bietet seine Dienste der Konföderation an.

Am Morgen des 08 März bewachen fünf Schiffe des Blockadegeschwaders der Union die Mündung des James River bei Hampton Roads: Zwei Dampffregatten (sie zählten zu den modernsten und besten Schiffen der US Navy): die USS Minnesota und die USS Roanoke (allerdings wegen einer gebrochenen Welle nicht voll einsatzfähig), sowie drei Segelschiffe: die USS St. Lawrence, USS Congress und die USS Cumberland. Diese Segelschiffe waren noch um 1840 der Stolz der Flotte, waren aber in der Zwischenzeit durch die Entwicklung des Dampfschiffes technisch überholt.

Als die CSS Virginia sich den Schiffen der Union nähert wird sie von den Geschützen der Küstenbatterien und des Blockadegeschwaders unter Feuer genommen. Doch der Beschuß hinterläßt keinen Eindruck. Das erste Ziel der CSS Virginia wird die mit 24 Geschützen ausgestattete USS Cumberland. Das Panzerschiff traf sie mehrmals und rammte sie sodann. Der Rammstoß riß ein 7 Fuß breites Loch in den Rumpf, die USS Cumberland sank.

Der Rammsporn der CSS Virginia brach allerdings bei diesem Manöver weg. Jetzt nahm das Panzerschiff die mit 50 Geschützen bestückte USS Congress aufs Korn. Sie deckte das Schiff der Union mit mehreren Breitseiten ein bis an Bord Feuer ausbrach. Die USS Congress lief auf Grund und war manövrierunfähig. An Bord dieses Schiffes diente auch McKean Buchanan, der Bruder von Franklin Buchanan. Als das Feuer auf das Pulvermagazin übergriff war der Untergang des Schiffes besiegelt.

Die USS Minnesota war bei dem Versuch ihrem Schwesterschiff zu Hilfe zu kommen, ebenfalls auf Grund gelaufen. Die CSS Virginia wandte sich nun ihr, dem Flaggschiff der Blockadeflotte, zu. Der Tiefgang des Panzerschiffes verhinderte jedoch eine Annäherung bei bereits hereinbrechender Nacht, un so verschoben die Konföderierten dieses Vorhaben auf den nächsten Tag.

Auch die CSS Virginia hatte Federn lassen müssen: Zwei ihrer Geschütze waren außer Gefecht, der Rammsporn abgerissen, zwei Mann tot, alle Deckaufbauten weggerissen und der Kommandant verwundet ( Lieutenant Jones hat nun das Kommando). Aber keiner der 98 Einschüsse die das Schiff trafen durchschlug die Panzerung.

Dieser 08 März war der schlimmste Tag in der 86jährigen Geschichte der US Navy. Die CSS Virgina hatte innerhalb weniger Stunden zwei große Kampfschiffe der US Navy versenkt ( so etwas passierte der US Navy erst 1941 wieder) und 240 Marineangehörige fanden den Tod.

Unter ihnen auch der Kapitän der USS Congress. Kein anderer Tag dieses Krieges kostete die Marine mehr Opfer. Doch damit nicht genug - es drohte am nächsten Tag die Vernichtung des gesamten restlichen Blockadegeschwaders. Die Telegramme die in dieser Nacht nach Washington gingen tragen Zeichen von Panik. In Washington versucht man Beruhigung mit der Mitteilung die USS Monitor sei auf dem Weg.

Ja die USS Monitor war nicht nur unterwegs, sie war schon da. In der Nacht angekommen bezog sie Position neben der USS Minnesota. Die Besatzung war zwar erschöpft (das Schiff ist nur knapp dem Untergang durch Kentern in einem Sturm entgangen), aber die Aussicht auf die Begegnung mit dem Panzerschiff des Südens hob den Adrenalinspiegel wieder.

Als die CSS Virginia in den Morgenstunden des 09 März auslief um den Rest der Unionsflotte anzugreifen, bemerkt sie die USS Monitor zuerst gar nicht. Diese "Blechdose auf einer Schindel" (a tin can on a shingle) welche neben der Minnesota schwimmt hält man zuerst für einen Kessel des Kriegsschiffes, welches auf einem Floß zur Reparatur abtransportiert werden soll. Doch der Irrtum dauert nicht lange. Der "Kessel" fährt ein Geschütz aus und feuert. Es beginnt das erste Seegefecht zwischen zwei Panzerschiffen welches ganz unspektakulär verläuft.

Zwei Stunden lang beschießen sich die Schiffe gegenseitig, keines vermag jedoch die Panzerung des anderen aufzubrechen. Die Panzerung der CSS Virginia erhielt nur an einigen Stellen Risse durch den starken Beschuß. Einmal läuft sie auf Grund, kommt jedoch rechtzeitig wieder frei und versucht erfolglos die USS Monitor zu rammen. Diese versucht ihrerseits das erfolglos das Heck der CSS Virginia zu rammen, um so Schiffsschraube oder Steuerruder zu beschädigen. Die Maschinen der CSS Virginia waren schon nahe daran ihren Dienst zu versagen, als ihr ein Treffer ins Steuerhaus der USS Monitor glückte.

Das Nordstaatenschiff geriet kurzzeitig außer Kontrolle und der Kapitän wurde verletzt. Lieutenant Jones, welcher auf der CSS Virginia nun das Kommando hatte, glaubte das Schiff der Union ziehe sich aus dem Gefecht zurück. Nachdem sein eigenes Schiff schon schwer Wasser nahm, die Besatzung nach zwei Tagen Kampf mehr als erschöpft und ihm obendrein das Pulver und die Geschoße knapp wurden, entschloß er sich zum Rückzug nach Norfolk. Die USS Monitor zog jedoch nicht ab, sondern bezog wieder Position längsseit der USS Minnesota.

Das erste Duell von Panzerschiffen endete unentschieden. Den langfristigen Vorteil hatte jedoch der Norden. Die Vernichtung der Blockadeflotte war vereitelt worden. In den folgenden Monaten beobachteten sich die beiden Panzerschiffe argwöhnisch, es kam jedoch zu keinem Gefecht mehr.

Keine Seite besaß ein weiteres Panzerschiff, keiner wollte den Verlust dieser Waffe riskieren. Als McClellan im Mai 1862 auf der Halbinsel Virginia einmarschiert und die Konföderierten zum Rückzug nach Richmond zwingt, fällt Norfolk in die Hand der Union. Die CSS Virginia ist nicht seetüchtig genug um sich den Weg über die offene See zu erkämpfen, und sie hat zuviel Tiefgang um den James River flußaufwärts fahren zu können. Die Besatzung sprengt das Panzerschiff am 11 Mai 1862 selbst.

Die beiden Panzerschiffe wurden trotz ihrer Mängel die Vorbilder für die nächste Generation von Panzerschiffen, welche während des Krieges noch von beiden Seiten gebaut wurden. Die Union fertigte noch 58, die Konföderation 21 Schiffe. Viele kamen allerdings gar nicht mehr zum Einsatz, sie waren nur für den Kampf auf Flüssen und in flachen Gewässern bestimmt und reichten nicht an den Ruhm dieser ersten Schiffe heran.

Aber auch die USS Monitor hat ihren ersten Geburtstag nicht erlebt: Am 31 Dezember 1862 - sie wurde gerade für Blockadeaufgaben nach Süden geschleppt - ging sie während eines Sturmes vor Cap Hatteras mit 16 Mann Besatzung unter.

1976 wird sie wiederentdeckt und ist seither ein beliebtes Ziel für Taucher. Ihr Anker wurde 1983 geborgen, der Rumpf des Schiffes war aber bereits in einem so schlechten Zustand, daß ein Heben des Wracks nicht mehr möglich war.

 

© by Heinz 'Colonel' Cekada 2003

 

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Letztes Update: 03.12.2006

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