Als Folge des Verlustes der Forts Donelson und Henry musste der konföderierte Befehlshaber, General Albert Sidney Johnston, seine Truppen zurücknehmen und Kentucky und Teile von West- und Mitteltennesse der Union preisgeben. Er wählte Corinth, einen Verkehrsknotenpunkt, als Ausgangspunkt für seine geplante Aktion gegen die vorrückenden Truppen der Union. Von hier aus sollte die Wiedereroberung der aufgegebenen Gebiete erfolgen.
Johnston, vor kurzem noch hoch gelobt, wurde harter Kritik ausgesetzt. Die Zeitungen warfen ihm Trunksucht, Inkompetenz, ja sogar Verrat vor. In einer Petition ersuchten Abgeordnete aus Tennessee den Präsidenten Davis doch Johnston seines Kommandos zu entheben. Doch der Südstaatenpräsident ließ sich von aufgebrachten öffentlichen Meinungen nicht beirren und hielt an ihm fest.
Johnston selbst war ob dieser Entwicklung in niedergeschlagener Stimmung. Beauregard, der Held von Bull Run, wurde ihm als Stellvertreter und zur Unterstützung beigegeben. Und Beauregard war es auch der den Löwenanteil der Vorbereitungsarbeiten übernahm. So wurden in Corinth an die 42 000 Mann durch die Konföderation zusammengezogen. 27 000 Mann kamen aus den wiedervereinigten Teilen von Johnstons Armee, und weitere 15 000 Mann kamen aus New Orleans und Mobile. Deren Befehlshaber war Braxton Bragg.
Mit diesen Truppen wollte Beauregard nordwärts marschieren um die Yankees aus Tennessee zu vertreiben. Am 23. März war Johnstons Armee fast komplett, und sie wurde in vier Korps gegliedert. Johnston wurde durch Beauregards Angriffsgeist und Zuversicht wieder ruhiger, und gemeinsam planten sie die Offensive welche die Rückgewinnung Tennessees zum Ziel hatte.
Für den Norden hatte der Kommandeur des gesamten Mitlitärbereiches, Generalmajor Henry W. Halleck, die Erfolge von Grant und Foote bei der Eroberung von Fort Donelson und Fort Henry, als persönlichen Erfolg verbucht und auch so gemeldet. Er wurde daraufhin zum Befehlshaber aller Unionstruppen westlich der Appalachen befördert.
Er befahl Grant mit seinen Truppen nach Pittsburgh Landing, ca. 20 Meilen nördlich von Corinth gelegen. Dort sollte sich Generalmajor Buell mit seinen 35 000 Mann mit ihm vereinen. Anschließend wollte Halleck das Kommando über die vereinigten Truppen (75 000 Mann) übernehmen und mit ihnen nach Corinth vorrücken.
Und genau diesen Zusammenschluss der Truppen von Buell und Grant musste der kommandierende General des Südens verhindern. Da Buell nur langsam und scheinbar widerwillig auf Grant zumarschierte (die beiden waren keine "wirklichen Freunde") entschied sich Johnston für den Angriff. Den Aufmarschplan entwarf Beauregard, allein er war eher für eine erfahrene Veteranenarmee als für frische Soldaten und unerfahrene Stabsoffiziere geeignet.
Nur wenige dieser Südstaatensoldaten hatten schon einmal eine Strecke von 20 Meilen an einem Tag überwunden, und noch weniger hatten schon an einem Gefecht teilgenommen. Die Truppen sollten am 04. April gefechtsmäßig in Stellung sein. Der Abmarsch der Konföderierten sollte am 03. April in den frühen Morgenstunden erfolgen. Doch da begannen schon die ersten Probleme. Missverständnisse, schwerer Regen und die der Mangel an Erfahrung in der Führung von großen Truppen führten zu einer Verzögerung beim Abmarsch.
Die Strecke welche die Truppen zu bewältigen hatten betrug um die 34 Meilen, und sie geriet zu einem Albtraum. Die Divisionen eines Korps versperrten den Weg für ein anderes, ganze Truppenteile nahmen an Abzweigungen den falschen Weg, und das unwirtliche Wetter besorgte den Rest. Es dauerte bis in den Nachmittag des 5. April bis die Truppen ihre Ausgangsstellungen erreicht hatten. Bei Beauregard lagen in der Zwischenzeit die Nerven blank. Er nahm auf Grund der Verzögerung an, dass Buell bereits Grant verstärkt habe.
Weiters nahm er an das das Überraschungsmoment nicht mehr gegeben sei, schließlich war der Aufmarsch nicht gerade verborgen durchgeführt worden und es hatte auch schon Schusswechsel gegeben. Beauregard wollte den Angriff abbrechen, da er keine Erfolgschancen mehr sah. Doch Johnston hielt am Nachmittag des 05.April Kriegsrat mit seinem Stab und entschied den Angriff am 06.April durchzuführen.
Beauregards Bedenken hätten eigentlich berechtigt sein müssen, waren es aber nicht. Die Vorausdivision von Buell war tatsächlich bereits in Savannah (Grants Hauptquartier und ca. 9 Meilen von Pittsburgh Landing entfernt) eingetroffen, aber man sah keinen Grund zu besonderer Eile. Weder wurde diese Division vorgeschickt, noch Anstrengungen unternommen die anderen Divisionen von Buell schneller heran zu bringen.
Grant verfügte über sechs Divisionen, von denen fünf auf der Hochfläche von Pittsburgh Landing lagerten. Wirklich lagerten, den Grant rechnete an dieser Stelle mit keinem Gefecht, er rechnete überhaupt nicht mehr mit einem offensiven Vorgehen der Rebellen in diesem Abschnitt. Er hielt Johnstons Armee durch die Niederlagen für müde und demoralisiert und unfähig für ein offensives Vorgehen. Er ließ daher seine Männer keine Schützengräben anlegen, und die Lager wurden angelegt ohne an eine Verteidigungslinie auch nur zu denken.
Die Vorposten und Patrouillen waren nicht in der Lage mehr als einige hundert Meter ins Vorgelände zu blicken. Jene zwei Divisionen welche Corinth am nächsten lagerten, waren kampfunerprobte Truppen. Eine davon stand unter dem Kommando von Brigadegeneral William Tecumseh Sherman. Auch er unterschätzte die Gefahr. Als einige seiner Obersten am 04. und 05. auf Grund der Lärmentwicklung einen Aufmarsch des Gegners sahen und auch meldeten, sah Sherman darin nur "leichtes Vorpostenfeuer, ich befürchte keinen Angriff auf unsere Stellung".
Als diese Aktivitäten Grant gemeldet wurden, sah er darin eher eine Bedrohung für seine sechste Division. Diese stand unter dem Kommando von General Lew Wallace (dem späteren Autor von "Ben Hur") und war fünf Meilen östlich stationiert um die Nachschubdepots an einem anderen Anlegeplatz zu sichern. Er mahnte Wallace daher zur Wachsamkeit.
Von den sechs Divisionen über die Grant verfügte, wurden fünf von "politischen Generälen" geführt. Eine Folge von Lincolns Vorliebe Männer mit politischem Einfluss in wichtige Funktionen zu berufen. Einzig Sherman konnte eine West Point Ausbildung und Befehlserfahrung vorweisen. Seine erste Kampferfahrung hatte er allerdings erst bei Bull Run gemacht. An Halleck schrieb Grant noch am 05. April "Ich habe nicht die leiseste Idee, dass ein Angriff bevorsteht, werde aber für alle Fälle gerüstet sein". Er war es nicht.
Am Morgen des 06. April begann der Angriff der Konföderierten. Johnston hatte seine Armee in vier Korps gegliedert, welche jedoch unterschiedliche Stärken aufwiesen. Das erste Korps, welches unter dem Kommando von General Leonidas Polk stand, hatte an die 9500 Mann. Das zweite unter Braggs über 16 000, jedoch das dritte unter General William J. Hardee nur an die 6500 Mann. Das Reservekorps in einer Stärke von über 7000 Mann hätte zuerst General George B. Crittenden führen sollen, welcher jedoch wegen Trunkenheit noch vor Beginn des Aufmarsches durch General John C. Breckinridge ersetzt wurde.
Johnston hatte noch am 05. April den Schlachtplan von Beauregard übernommen. Statt einem Angriff mit vier Korps in einer Linie und Breckinridge in Reserve, sah dieser den Angriff tief gegliedert mit allen Divisionen hintereinander vor. Dies machte den Vorteil der zahlenmäßigen Überlegenheit für die Konföderierten zunichte.
Kurz vor Morgengrauen fand ca. eineinhalb Kilometer vor Siloh der erste Schusswechsel zwischen einer Patrouille der Union und Reitern der Rebellen statt. Die Patrouille zog sich möglichst geräuschvoll zurück um die Truppen von Generalmajor Prentiss Division zu warnen. Diese waren gerade beim Frühstück und nur langsam und mühsam konnten sie in Formation gebracht werden. Auch die Männer aus Shermans Division sprangen vom Frühstück auf und eilten zu den Waffen. Als Sherman nach vorn ritt um Klarheit zu bekommen wurde seine Ordonnanz neben ihm vom Pferd geschossen.
Sherman erkannte als erster das es sich hier nicht um einen Stoßtrupp sondern um einen großen Angriff handelte. Die nächsten 12 Stunden waren wohl der Wendepunkt in seinem Leben. Was er an diesem Tag über sich selbst und Krieg lernte machte ihn in der Folge zu einem der führenden Generäle dieses Krieges. Drei Pferde wurden in den nächsten Stunden unter ihm erschossen, er selbst zweimal leicht verwundet. Aber er war es der seinen Männern immer wieder Halt trotz ihrer Kampfunerfahrenheit gab und seine Männer vor panikartiger Flucht und der damit einher gehenden Vernichtung bewahrte.
Auf seiner linken Seite hielten sich zunächst noch Prentiss` Männer, während von rückwärts die ersten Verstärkungen der anderen Divisionen herankamen. Darunter auch Truppen welche bereits bei Fort Donelson im Kampf gestanden waren.
Grant wartete zu diesem Zeitpunkt im Hauptquartier, neun Meilen flussabwärts auf Buell. Der Kampflärm war bis hierher zu hören. Grant requirierte ein Depeschenboot und ließ sich von diesem nach Pittsburgh Landing bringen, wo er gegen 0900 Uhr auf dem Schlachtfeld eintraf.
Johnston hatte schon früh alle seine Divisionen in den Kampf geworfen und auch auf Seite der Union eilten die Soldaten an die Front welche sich über sechs Meilen erstreckte. Grant beorderte auch die Division von Lew Wallace per Kurier auf das Schlachtfeld. Diese verfehlte jedoch den richtigen Weg, musste umkehren, und kam daher für diesen Tag zu spät. Die Kämpfe hatten eine Intensität angenommen wie sie bisher in diesem Krieg unbekannt war.
Die beiden Befehlshaber waren selbst ständig bei ihren Truppen unterwegs. Grant klapperte im Laufe des Tages alle seine Divisionskommandeure ab um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen und die Soldaten aufzumuntern. Auf dem Höhenrücken westlich von Pittsburgh Landing errichtete er aus reorganisierten Versprengten Teilen und Artillerie eine letzte Auffangstellung für den Fall, dass die Rebellen bis an Pittsburgh Landing herankommen würden.
Auch Johnston war bei seinen Truppen vorne. Er begab sich zum rechten Flügel der Konföderierten um den Angriff persönlich voranzutreiben. Es war gegen 1400 Uhr als Johnston persönlich einen Angriff von Breckinridges Division teilnahm und dabei selbst getroffen wurde. Die Kugel traf ihn in der Kniekehle, Johnston vermerkte im Kampfgetümmel jedoch davon nichts. Ca. halbe Stunde später fiel er fast aus dem Sattel, die Kugel hatte eine Schlagader verletzt und Johnston litt unter hohem Blutverlust. Kurz darauf verstarb er auf dem Gefechtsfeld. Beauregard übernahm das Kommando und versuchte den Angriffsschwung auszunützen.
Die konföderierten Truppen hatten bis jetzt den rechten und linken Flügel der Union um ca. 2 Meilen zurückgetrieben. In der Mitte hatte Prentiss sich mit den verbliebenen Resten seiner Division und mit Teilen von zwei Nachbardivisionen auf einem Weg verschanzt. Von Grant hatte er den Befehl erhalten diese Stellung unter allen Umständen zu halten. Und dieser Befehl wurde befolgt. Dank der günstigen Position und Unterstützung der eigenen Artillerie konnte Prentiss mehrere Angriffe der Konföderierten zurückschlagen.
Die Kommandeure der Rebellen griffen immer wieder mit ihren Truppen frontal an, statt den Gegner frontal zu binden und zu umgehen. Die Unionssoldaten nannten diesen Weg "Hohlweg", die Konföderierten nannten diese Stellung das "Hornissennest", da das ständige Surren der Splitter und Geschoße an einen Hornissenschwarm erinnerte. Mit 4500 Mann konnte Prentiss bis gegen 1730 Uhr allen Angriffen der Konföderierten standhalten. Zum Ende rannten 18 000 Rebellen, unterstützt von 62 Feldgeschützen gegen diese Stellung an. Gegen 1730 Uhr ergab sich Prentiss mit 2200 Überlebenden.
Es war nun eine Stunde vor Sonnenuntergang und Grant hatte die Zeit welche ihm Prentiss erkämpft hatte genützt um die Reste seiner Truppen auf dem Höhenzug bei Pittsburgh Landing in Stellung zu bringen.
In der Zwischenzeit hatte Buells Vorausdivision begonnen den Fluss zu übersetzen um Grant zu verstärken. Auch die verirrte Division von Wallace war bei den Unionstruppen eingetroffen.
Diese Umstände blieben Beauregard verborgen. Seine Kommandeure wollten noch einen letzten Angriff in die hereinbrechende Dämmerung durchführen um den Erfolg auszunützen. Er beurteilte jedoch seine Truppen als abgekämpft und zu desorganisiert um bei einem solchen Angriff in die Dämmerung einen durchschlagenden Erfolg zu erkämpfen.
Er versagte diesem Angriff daher seine Genehmigung. Die Truppenstärke der Rebellen war durch die Verluste und Abgänge an diesem Kampftag auf rund 25 000 Mann zusammengeschmolzen. Trotzdem war er zuversichtlich. Er sandte ein Siegestelegramm nach Richmond: "Nach schwerer, zehnstündiger Schlacht dank dem Allmächtigen vollständigen Sieg errungen. Feind aus allen Stellungen vertrieben."
Er war der Meinung am nächsten Morgen müsse nur die Gegend von den versprengten Soldaten der Union gesäubert werden. Bestärkt wurde er in diesem Glauben durch eine Falschmeldung der Kavallerie aus dem nördlichen Alabama, daß Buell mit seinen Truppen auf dem Weg nach Alabama sei. Seine eigene Kavallerie machte jedoch andere Feststellungen.
Die Reiter von Forrest beobachteten wie die ganze Nacht über Boote mit Truppen den Fluss übersetzten. Forrest konnte Beauregard jedoch nicht finden um ihm diese Meldung zu machen, und den Generälen welchen er die Warnung brachte, taten sie als unbedeutend ab. Forrest war wahrscheinlich der einzige Konföderierte der ahnte was der nächste Tag bringen würde: " Wir werden eine Abreibung beziehen, dass uns Hören und Sehen vergeht".
Es wurde eine schlimme und unruhige Nacht. Es regnete in Strömen, und von Zehntausenden Verwundeten überlebten viele die Nacht nicht. Die ganze Nacht über wurden die Biwaks der Konföderierten von Kanonenbooten der Union aus beschossen.
Grant und Buell verfügten am Morgen des 07. April über 25 000 Mann frischer Truppen und den abgekämpften Resten von Grants Divisionen in der Stärke von 15 000 Soldaten. Auch der zweite Tag der Schlacht begann mit einem Überraschungsangriff, allerdings waren es diesmal die Truppen der Union welche angriffen.
Auf breiter Front traten die Yankees an und trafen zuerst nur auf geringen Widerstand. Im Laufe des Vormittages kam der Angriff jedoch am südlichen Flügel ins Stocken und die Kämpfe erreichten die Heftigkeit und Härte des Vortages. Bis zum Nachmittag hatten die Truppen der Union die Konföderierten auf ihre Ausgangsstellungen des Vortages zurückgedrängt. Die zahlenmäßige Überlegenheit der Union, sowie der Einsatz der frischen Truppen gaben den Ausschlag. Die Moral der Konföderierten hatte außerdem schweren Schaden genommen, als sie mit dem Angriff der Yankees im Morgengrauen erkennen mussten, dass von "Sieg" noch keine Rede sein konnte.
Gegen 1430 Uhr drängte der Stabschef Beauregard zum Rückzug. Beauregard gab ihm Recht und leitete den Rückzug ein. Die Truppen der Union waren aber nach diesem Tag ebenfalls zu abgekämpft um den Rebellen nachsetzen zu können. Die Kavallerie von Forrest deckte den Rückzug der Konföderierten nach Corinth. Sherman unternahm zwar am 8. April den Versuch die Konföderierten zu verfolgen, kehrte jedoch nach einem heftigen Scharmützel mit Forrests Kavallerie um. Es hatten vorerst alle genug vom Kämpfen.
Siloh bedeutete für die Union das Ende von der Illusion, die Konföderation werde im Westen rasch zusammenbrechen. Vor der Schlacht bei Siloh war Grant davon überzeugt das ein einziger weiterer Sieg der Union das Ende der Konföderation bringen würde. Nach Siloh gab er jeden Gedanken daran auf, dass die Union anders als durch vollständige Eroberung des Südens zu retten sei. Persönlich hatte er noch mit dem Gerücht zu kämpfen, er sei am ersten Tage der Schlacht betrunken gewesen. Der 1854 wegen Trunkenheit in Ungnade gefallene Captain war vielen seiner Neider noch in Erinnerung.
Mit Siloh trat der Bürgerkrieg in die Phase des "totalen Krieges" ein.
© by Heinz 'Colonel' Cekada 2003
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