Ein Unterscheidungsmerkmal aber sind z.B. die Sprachgruppen, wobei Sprachgruppe nicht immer gleich eine Kulturgruppe ist, denn "StĂ€mme", die dieselbe Sprache sprechen sind oft durch die oben erwĂ€hnten Wanderungen und Vertreibungen territorial und kulturell auseinander gesplittert worden. Ein sehr gutes Beispiel dafĂŒr sind die Navajos und Apachen aus der Sprachgruppe der Athapasken. Ihre Sprachangehörigen erscheinen auf den Landkarten Nordamerikas fast ganz auf den Nordwesten konzentriert, mit Ausnahme eben dieser beider StĂ€mme in Neu Mexico.
In Nordamerika allein gibt es ca. 200 verschiedene Sprachen, die in mehr als 50 Sprachgruppen eingeteilt werden können.
Zu den groĂen Sprachfamilien gehört die schon erwĂ€hnte der Athapasken. Sie reichte einst vom Norden bis nach Mexico, vom Pazifik bis zur Hudson Bay. Zu ihren Vertretern zĂ€hlen:
Chipewyan, JĂ€ger zwischen dem Grossen Sklaven-See und der Hudson Bay
die Haida, ein ĂŒberwiegend vom Fischfang lebender Stamm an der NordwestkĂŒste
der in Kanada und Alaska von der Jagd auf Karibu, Elch und Hirsch lebende Stamm der Kutchin
die der Plainskultur zugehörigen Sarsi
die sesshaften Navajos, die im SĂŒdwesten Nordamerikas Bodenbauer waren, aber das Jagen und Sammeln z. T. beibehielten
und z. Bsp. die Apachen, die zusammen mit den Navajos seit dem 13. Jahrhundert von Nord nach SĂŒd wanderten und ursprĂŒnglich JĂ€ger waren. Die östlichen Apachen wurden stark von der Plains- und Pueblokultur geprĂ€gt.
Eine weitere groĂe, flĂ€chenmĂ€Ăig am weitesten ausdehnte Sprachgruppe ist die der Algonkin, aus der so bekannte Begriffe wie Manitu, Squaw, Tomahawk, Wampum und Wigwam stammen, die in der Abenteuer- und Indianerliteratur als Begriffe fĂŒr Gott, Frau, Kriegsbeil, MuschelgĂŒrtel und Behausung aller Indianer benutzt wurden. Ihr Gebiet reichte von den nördlichen Plains und den Neuenglandstaaten bis zum östlichen Kanada, den Mittelwesten inbegriffen. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehören:
die zur Plainskultur zÀhlenden StÀmme der Arapaho, der Blackfoot, der Cheyenne und der Plains-Cree
in der Waldlandkultur u.a. die Delawaren, Mohikaner (eigentl. Mahican), und die Shawnee (mit ihrem berĂŒhmten HĂ€uptling Tecumseh), sowie die Ottawa vom Gebiet der groĂen Seen.
Des Weiteren zÀhlen zu dieser Sprachgruppe:
die subarktischen Montagnais in der heutigen kanadischen Provinz Quebec,
die Naskapi auf Labrador,
die Ojibwa , bei denen jedoch trotz subarktischer Region der Einfluss der PrÀriekultur unverkennbar war und andere.
Die mit am meisten gesprochene Sprache ist die siouanische. Ihr Verbreitungsgebiet ging ursprĂŒnglich vom Mississippi bis zu den Rocky Mountains. Das Wort Sioux ist eine französische Abwandlung des Ojibwa-Wortes Nadowe-si-weg, das "kleine Schlangen" bedeutete und ihren Feinden, den Dakotas, galt.
Damit haben wir gleich die bekanntesten Vertreter dieser Sprachgruppe, denn die Dakota werden in der Abenteuer- und Indianerliteratur hĂ€ufig als Sioux und damit auch als die typischen Indianer ĂŒberhaupt bezeichnet. Dabei waren die uns DurchschnittseuropĂ€ern so bekannten "echten" Plainsindianer wie Sitting Bull, Red Cloud und Crazy Horse eigentlich Lakota (Teton Sioux) die westliche Stammesgruppe der Dakota (Santee Sioux), zu denen auch noch die Nakota (Yankton und Yanktonai Sioux) gehörten. Unter den Sioux sprechenden StĂ€mmen gab es sesshafte Bodenbauer, wie die Mandan und Hidatsa, halbsesshafte Vertreter wie die Omaha und auch die rein nomadisierenden BisonjĂ€ger wie die Lakota, Crow und Assiniboine. Sie alle zĂ€hlten zu den Indianern der Plainskultur und ihr Leben war meist entscheidend vom Bison geprĂ€gt.
Bei der irokesischen Sprachgruppe kann man feststellen, dass sie von viel mehr StĂ€mmen als den 6 Mitgliedern des Irokesenbundes (Mohawk, Oneida, Onondaga, Seneca, Cayuga und Tuscarora) selbst gesprochen wurde. Die irokesische Sprache wurde auch von den Huronen, den Cherokee, den Erie und anderen StĂ€mmen benutzt. AuĂer den Tuscarora und Cherokee waren sie alle Vertreter der Kultur des Waldlandes.
Die Muskhogee Sprachfamilie im sĂŒdöstlichen Nordamerika soll wegen ihrer geschichtlich bedeutungsvollen StĂ€mme wie den Seminolen (bekanntester Vertreter war z.B. Osceolas), Choctaw und Creek genannt werden. Man bezeichnet sie mitunter auch als GolfkĂŒstensprache. Zu den Muskhogee Sprachen zĂ€hlt auch die nicht mehr gesprochene Sprache der berĂŒhmten Natzchez.
Zum Schluss unserer kleinen Sprachreise möchte ich noch die groĂe Gruppe der Uto-Aztekisch sprechenden StĂ€mme im Westen und SĂŒdwesten Nordamerikas sowie in Mittelamerika erwĂ€hnen. Zu ihr zĂ€hlen u.a. die Bannock, Paiute, Comanchen, Shoshonen, Ute, Hopi, Kiowa. Wie anfangs erwĂ€hnt gibt es bei den Ureinwohnern Nordamerikas ca. 50 Sprachgruppen mit 200 verschiedenen Sprachen und noch mehr Dialekten, also kann diese AufzĂ€hlung nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt indianischer Sprachen als Unterscheidungsmerkmal geben.
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© 2006 by Charles Löffler