 | | Wirtschaftsformen der Indianer |  |

Wodurch unterscheiden sie sich noch?
Durch ihre Art des Wirtschaftens, ihre Wirtschaftsform, diese überaus wichtige Tätigkeit, die das gesellschaftliche, religiöse und geistige Leben der Menschen (aller Menschen) bestimmt bzw. formt. Eigentlich wäre es leicht, die Ureinwohner einfach nach ihrem jeweiligen Nahrungserwerb einzuteilen, aber es gab im damaligen Amerika keine "reine" Wirtschaftsform, die andere Formen ausschloss. Denn durch ihre mehrfach erwähnten Wanderungen über den gesamten Kontinent haben sie oft Teile ihrer vorherigen Art des Zusammenlebens in die neue Situation mit integriert. Dadurch ergaben sich vielleicht Wirtschaftsformen gleichen Charakters, aber mit völlig anderem kulturellen Hintergrund.
Es konnte z.B. sein, dass man von der Sesshaftigkeit der Bodenbauer durch Einzug in die Plains zu der halb-nomadisierenden Form der Jäger wechselte und dabei Elemente des Bodenbaus mit übernahm, wenn es das Klima zuließ; dies ist u.a. bei den Omaha geschehen, die mit der Übernahme durch das Pferd verstärkt die Büffeljagd betrieben.
Eine dieser Wirtschaftsformen ist die der Sammler und Jäger, die älteste uns bekannte Form der gesamten Menschheit. Das Sammeln von Wildpflanzen und Früchten, Kleintieren, Insekten, Eiern u.a. wurde überwiegend von den Frauen betrieben und war eine sichere Ergänzung zu dem Jagdertrag der Männer. Menschen, die "wahllos von der Hand in den Mund" lebten, hat es so in Amerika in nachkolumbianischer Zeit nur sehr wenige gegeben und selbst diese besaßen schon das Feuer, wussten Bescheid über die Reifezeit und den Standort essbarer Pflanzen. Die Völker der Sammler und Jäger kannten schon eine relative Regelmäßigkeit. Die günstigen Klima- und Naturbedingungen in einigen Teilen Nordamerikas (z.B. Kalifornien) erlaubten sogar eine planmäßige Ernte und Konservierung bestimmter Nahrungsmittel, wie die Eichel oder der wilde Reis.
Dies führte zu einer eigenständigen Wirtschaftsform, die der Erntevölker. Wie überall auf der Welt gibt es auch in Amerika Gebiete, in denen eine oder mehrere Pflanzenarten in so großen Mengen vorkommen, dass sie zur Grundlage eben dieser Wirtschaftsform geworden sind, die z.T. eine relative Sesshaftigkeit ehemals nomadisierender Völker bewirkte. Die Erntevölker vertreten eine Wirtschaftsform, die irgendwo zwischen Sammlern und Jägern einerseits und den Bodenbauern und Viehzüchtern andererseits steht. Zu den Erntevölkern gehören z. Bsp. die Ojibwa und Winnebago der Waldlandkultur, die den Wildreis ernteten, ohne ihn jemals planmäßig auszusäen. Ein zweites großes Gebiet der Erntevölker war Kalifornien, wo die Eichel das wichtigste Nahrungsmittel dieser Menschen darstellte. Sie wurden geschält, zerrieben, getrocknet, durchgesiebt, ausgelaugt und wieder getrocknet. Pomo, Yuki, Miwok, Hupa, Maidu sind solche kalifornische "Eichel-Stämme".
Die Jagd als Wirtschaftsform dominierte in Nordamerika in der kombinierten Jagd- und Sammelwirtschaft. Die Stämme dieser Wirtschaftsform, deren Hauptnahrungserwerb die Jagd war, stellten meist halbsesshafte oder nomadisierende Völker dar. Die uns bekannte Büffelkultur war geprägt von der Wanderung zu verschiedenen Plätzen, um so dem Büffel folgen zu können und bestimmte sogar die Kultur und Religion dieser Stämme. Allerdings gab es kaum Völker, die ausschließlich von der Jagd lebten, denn das Sammeln von Pflanzen, Wurzeln, Früchten u.a. spielte immer eine, wenn auch manchmal sehr untergeordnete Rolle. Die Jagd wurde zumeist von den Männern praktiziert und reichte von der Einzel- bis zur gemeinsamen Jagd. Nicht unerwähnt lassen sollte man das Fischen, denn die "Jagd" auf Fische und Meeressäuger war bei einigen Völkern der bestimmende Teil des Nahrungserwerbes, wie z.B. bei den Stämmen der Nordwestküste. Die einfachste Fangmethode bestand im Ergreifen mit der Hand im flachen Wasser. Im Waldland erschlug man die Lachse mit der Hand. Speer, Pfeil oder Harpune als Fischfanggerät gab es bei fast allen Stämmen. Auch das Betäuben der Fische bei den Irokesen u.a. oder das Ersticken der Fische im Süßwasser mit Walnusswurzel (im Südwesten) gab es. Gefischt wurde auf vielerlei Art und auch fast überall, wobei es einige Stämme gab, die keinen Fisch aßen (z.B. Navajos, Apachen).
Die wohl am weitesten verbreitete Wirtschaftsform war der Bodenbau. Außer bei den Fischervölkern der Nordwestküste, sind die Vertreter aller hoch- und höchstentwickelten Kulturen Amerikas Bodenbauer gewesen. Ursprung des Bodenbaus war Südamerika. Er entstand durch die besondere Pflege einstiger "Erntepflanzen", die über Generationen hinweg immer mehr kultiviert wurden. Die klassischen amerikanischen Anbaupflanzen sind der Mais und die Maniokknolle, wobei der Maniok fast ausschließlich in Südamerika anzutreffen ist, während der Mais in beiden Teilen wächst. Die nordamerikanischen Bodenbauer haben überwiegend Mais angebaut, wobei Bohnen, Kürbisse und andere Sorten zuweilen auch von großer Wichtigkeit waren. Der Mais spielte eine so wichtige Rolle im Leben einiger Stämme, dass er einen regelrechten Maiskult hervorbrachte. Die meisten Bodenbauer Amerikas waren allerdings nicht nur Bodenbauer, sondern praktizierten auch die Jagd, die Ernte und das Sammeln. Dort, wo der Ackerbau die dominante Wirtschaftsform darstellte, waren ihre Mitglieder sesshaft; zu deren Kulturgut gehörten u.a. die Keramikherstellung und die Webkunst, feste Behausungen entstanden und das gesellschaftliche Leben nahm oft einen anderen Stellenwert ein. Die karge Landschaft der Plains, das kalte Klima des Nordens und der übergroße Nahrungsvorrat in Kalifornien ermöglichten bzw. erforderten dort keinen Bodenbau.
Eine Wirtschaftsform hat es in beiden Teilen Amerikas in vorkolumbianischer Zeit und auch danach kaum gegeben, die Viehzucht. Die Schafe der Navajos waren von den Spaniern gestohlen und dienten der Wollgewinnung für die Wollweber und Teppichknüpfer; die Pferde, die von vereinzelten Stämmen erfolgreich gezüchtet wurden, fing man lieber ein oder stahl sie. Viehzucht, wie sie in der Alten Welt betrieben wurde, hat es bei den Indianern nicht gegeben. Abschließend sei noch einmal betont, dass es in Nordamerika fast nur gemischte Wirtschaftsformen gab, die einem festen Jahreszyklus unterworfen waren, der sich aus dem Maisanbau im Frühling, dem Sammeln von Beeren, dem Ernten von wildwachsendem Reis im Sommer, der Maisernte im Frühherbst und der Jagd im Winter zusammensetzen konnte. Auch die Einteilung der Indianer Nordamerikas nach ihrer Wirtschaftsform kann bei der Vielfalt des Wirtschaftens nur ein grober Überblick sein und sollte nicht als das Unterscheidungsmerkmal betrachtet werden.
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© 2006 by Charles Löffler 
Letztes Update: 06.12.2006
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