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Country Musik als eigenständige Musikform

Mit den ersten Hits der zwanziger Jahre hatte sich die Country Music zu einer eigenständigen Musikform entwickelt, die zwar auf alten Texten und Melodien basierte, doch unter den verschiedenen Einflüssen ein vollkommen neues Gesicht bekommen hatte. Ihre Popularität war groß, beschränkte sich aber auf die ländlichen Bezirke und war noch nicht bis in die dichtbesiedelten Gebiete des Kontinents vorgedrungen.

Das änderte sich erst mit dem Aufkommen des Radios und der Erfindung des Phonographen, der in den späten zwanziger Jahren für Furore sorgte. Geschäftstüchtige und talenthungrige Produzenten erkannten das musikalische Potential, das in den Bergen des amerikanischen Südostens brach lag, und holten die Hausmusiker von ihren Farmen ins Studio.

Die Gründung der Grand Ole Opry und anderer Barn Dances, die über bekannte Rundfunkstationen wie WSM und WLS ausgestrahlt wurden, standen am Beginn einer Ära, die allgemein als Beginn der Country Music angesehen wird und als Stunde Null in die Annalen einging.

Damals waren die Lieder und Melodien dieser Farmer noch als "Old-Time Music" oder "Folk Music" bekannt. Die Leute wollten die alten Songs aus den neunziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts hören, und die Produzenten achteten streng darauf, dass die Künstler nur die alte ursprüngliche Musik spielten.

George Hay, der Produzent und Ansager der Grand Ole Opry, war bekannt dafür, dass er jeden Versuch, der alten Musik einen moderneren Touch zu geben, mit den Worten erstickte: "Etwas ursprünglicher, meine Herren!" An dieser starren Haltung vieler Puristen leidet die Opry heute noch. Für Kreativität bleibt wenig Platz , und die Künstler beschränken sich darauf, ihr teilweise jahrzehntealtes Repertoire unverändert wiederzugeben.

Zu den bekanntesten Künstlern dieser Pionierjahre in der Geschichte der Country Music gehörten Musiker wie Doc Hopkins aus Chicago, der mit Vornamen tatsächlich Doctor hieß;

Arkie, the Arkansas WoodchopperArkie, the Arkansas Woodchopper, ein virtuoser Gitarrist und Square Dance Caller; Lulu Bell; Henry Burr, der vor allem mit sentimentalen Balladen von sich reden machte, und die Hoosier Hot Shots, die Stars der Sendung "National Barn Dance".

Die vielen Rundfunksendungen verschafften der Country Music zwar eine ungeheure Popularität, brachten den Künstlern aber kaum Geld. Es handelte sich fast ausschließlich um Farmer und Feldarbeiter, die zu ihrem reinen Vergnügen sangen und in den meisten Fällen erstaunt waren, wenn sie vom Radio-Sender ihre Spesen ersetzt bekamen. Erst einige Jahre später sorgte die neue Plattenindustrie dafür, dass aus den Farmern gut bezahlte Stars und aus der Old-Time Music ein Industriezweig wurde, der nicht nur einigen Rundfunkstationen Profit brachte.

Mit der ersten Country-Aufnahme, die im Jahr 1922 auf Platte gepresst wurde, bekam Victor Records allerdings kaum die Unkosten herein. Der Fiddler Eck Robertson erreichte mit seinen beiden Stücken "Sally Goodin" und "Arkansas Traveller" nur ein kleines Publikum und verschwand schon bald wieder in der Versenkung.

Anders der Texaner Marion Try Slaughter, der unter verschiedenen Pseudonymen auftrat und als Vernon Dalhart großen Erfolg hatte. Seine beiden Aufnahmen "The Prisoner's Song" und "The Wreck Of The Old 97" waren Millionen-Hits.

Mit der wirtschaftlichen Depression in den dreißiger Jahren ging auch der Plattenumsatz zurück. Manche Plattenfirmen wie Paramount und die alte Columbia gingen sogar bankrott. Die anderen hielten mühsam durch und suchten verzweifelt nach neuen Wegen, um die Country Music zu beleben.

Man kam auf die einzig richtige Idee, widersetzte sich den Wünschen der wenigen Puristen und beschloss, künftig auch neu komponierte und geschriebene Songs ins Repertoire aufzunehmen. Neue Songs im alten Gewand - so hieß das Konzept der Produzenten, das schon nach wenigen Jahren die ersten Erfolge zeigte und die Country Music endgültig im Unterhaltungsgeschäft etablierte.

 

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Letztes Update: 27.10.2006


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