Die Gitarre war zur damaligen Zeit nicht unbekannt in Amerika, galt aber als Instrument der vornehmen Oberschicht, die sie fast ausschließlich zur Begleitung klassischer Weisen benutzte. In den rauen Händen der dunkelhäutigen Arbeiter klang das Instrument ganz anders - vor allem ehrlicher - und machte einen solch nachhaltigen Eindruck auf die Farmer des Südens, dass es schon bald in ihrer Musik dominierte.
Vor der Übernahme des neuen Instruments war die angloamerikanische Musik in erster Linie durch den fehlenden Rhythmus gekennzeichnet gewesen, eine charakteristische Eigenart, die man noch heute bei alten irischen Volksliedern beobachten kann. Mit der Ankunft der schwarzen Arbeiter bekam die Musik der Farmer jenen rhythmischen Drive, der auch die moderne Country Music auszeichnet und beinahe zu einem Charakteristikum für sie geworden ist.
Im fernen Westen und im Südwesten des nordamerikanischen Kontinents nahm die Musik eine ähnliche Entwicklung. Dort übernahmen die Siedler die Gitarre von den Spaniern, die nicht nur Mexiko, sondern auch den südwestlichen Teil von Nordamerika besetzt hatten. Der balladenhafte und sehr gefühlvolle Stil der Spanier wurde zu einer bedeutenden Stilrichtung in der amerikanischen Volksmusik und später auch in der Country Music. Künstler wie Marty Robbins und Freddie Fender feierten große Erfolge mit ihren wehmütigen "Down At The Border" -Liedern.
Das Banjo, von vielen als das charakteristischste Instrument der Country Music gepriesen, fand erst verhältnismäßig spät Eingang in der amerikanischen Musik. Es wurde um das Jahr 1830 von dem Engländer Joe Sweeney erfunden und basierte auf den Zupfinstrumenten einiger afrikanischen Naturvölker. In Amerika fand es erst nach dem Bürgerkrieg, also Mitte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts, weitere Verbreitung. Wie schon die Gitarre wurde es besonders von der Bevölkerung in den Bergen geschätzt, weil es ihrer Musik mit Gitarre und Fiedel neue anregende Impulse verlieh. Die Menschen in den Appalachen brachten es zu einer wahren Meisterschaft auf dem fünfsaitigen Instrument, und virtuose Künstler wie Earl Scruggs machten es weltberühmt.
Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts brach eine gewaltige Einwanderungswelle über die neue Welt herein. Amerika wurde zum "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" und sah sich den vielfältigen Einflüssen zahlreicher Kulturen ausgesetzt. Auch die Country Music, die damals noch gar keinen Namen hatte, profitierte von diesen verschiedenen Strömungen, die dieser Musikform neue und belebende Impulse verlieh.
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