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Die Sklaven und der Christengott

Texte ändern sich, die Sprache ändert sich (die Kinder der nachfolgenden Generation wachsen von Geburt an mit der englischen Sprache auf) und die Inhalte ändern sich auch. Irgendwann ist von den ursprünglichen Liedern nicht mehr viel übrig. Vor allem nach dem „Einfuhrverbot“ neuer Sklaven ist die schwarze Bevölkerung von allen Wurzeln und jeglichem Kontakt zur Heimat abgeschnitten. Sie bleibt mehr oder weniger unter sich und die Musik ihrer Ahnen verschmilzt mit den Liedern der neuen Heimat. Mit den geistlichen Liedern der Einwanderer zum Beispiel, den damals so genannten „Spirituals“. Diese Lieder, die den tiefen Glauben an Gott ausdrücken, werden gern übernommen.

Vor allem die Inhalte sind es, die gefallen: die Sklaven haben den Christengott entdeckt. In der Bibel gibt es die wunderbarsten Erzählungen. Aber ganz besonders interessant dürfte die lange Leidensgeschichte des Volkes Israel gewesen sein. Hier gibt es doch deutliche Parallelen zur eigenen Situation. Das geknechtete Volk in der Fremde, das in Ägypten – weit weg von zu Hause – Sklavendienste leisten muss, um schließlich doch von seinem Gott gerettet zu werden.

Lieder wie „Canaan’s Land“ oder „Go Down Moses“ besingen zwar die Vergangenheit des auserwählten Volkes Israel, doch gemeint ist damit das eigentliche Leben der Sklaven in der Gegenwart, das Leben in Unfreiheit. Ein Code, der von den Weißen sehr wohl verstanden, aber geduldet wird.

Und dann gibt es in der Bibel noch diesen Erlöser, diesen Jesus Christus, der von der Liebe und einem besseren Leben nach dem Tod predigt. Mit diesem Glauben kann man sich durchaus anfreunden, auch wenn die Herren selbst die Worte der Heiligen Schrift nicht ganz so wörtlich nehmen. Versuchen Sie einmal, sich in die Lage eines Sklaven zu versetzen, der seinen „frommen“ Unterdrücker beim Gottesdienst beobachtet. Eine Frage wird Ihnen sofort durch den Kopf schießen: „Wie um Himmels Willen lässt sich das Gebot der Nächstenliebe mit der Sklavenhaltung vereinbaren?“

 

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Letztes Update: 01.06.2008


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