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Tief verwurzelt in der afrikanischen Tradition

Die Afrikaner, so sagt man, haben den Rhythmus im Blut, und wenn man afrikanische Musik hört, dann kommt man nicht umhin, dem zuzustimmen. Neben den Gesängen sind es vor allem das rhythmische Klatschen und der Einsatz von Percussions-Instrumenten, die für Schwung sorgen. Ein weiteres typisches Merkmal afrikanischer Musik, das in der Gospel- und Spiritualmusik noch zu finden ist, ist das so genannte „Call and Response-(Ruf- und Antwort-)Ritual“: Ein Text wird vorgesungen und die Mitsänger antworten.

Für die weißen Herren, deren Ohren nur die europäische Musik gewohnt waren, müssen sich diese Klänge dereinst sehr befremdlich angehört haben, aber wenigstens das Singen wird den Sklaven nicht verboten. Das bleibt eines der wenigen Rechte, derer sie nicht beraubt sind und das es ihnen erlaubt, wenigstens ein kleines Stückchen ihrer Identität zu bewahren. Ganz im Gegenteil: Sie werden sogar ermutigt zu singen. Natürlich nicht ohne Hintergedanken: Seit jeher sind es die Afrikaner gewohnt, bei der Arbeit zu singen. Singen hilft, den handwerklichen Rhythmus besser zu finden. Außerdem gehen schwere Arbeiten leichter von der Hand.

Zudem ist es wünschenswert, die Leute einigermaßen bei Laune zu halten: Wem es besser geht, der lebt länger und kann länger arbeiten. So lautet die eiskalte Rechnung. Singen ist also erlaubt, aber Trommeln sind verboten. Der Grund: Die Weißen haben Angst davor, dass über größere Entfernungen geheime Botschaften übermittelt werden könnten. So zynisch das auch klingen mag, so ist es doch für die Sklaven eine gewisse Erleichterung. So lange man wenigstens noch singen darf, kann man sich als Mensch fühlen, träumen, ein Stück weit leben und sich wenigstens einen kleinen Funken Hoffnung und einen winzigen Rest der alten Tradition bewahren.

Den Inhalt dieser Lieder kann man sich leicht vorstellen. Gewiss sind es keine fröhlichen Arbeitslieder, die da gesungen werden. Aber bestimmt auch keine revolutionären oder gar Kriegsgesänge. Dazu ist die Lage viel zu aussichtslos, fernab von der Heimat, ohne Ort, an dem man Zuflucht hätte finden können. Hinzu kommt die ständige Angst vor der Peitsche der Aufseher. Eher sind es wohl Lieder der Hoffnung auf eine Erlösung von den Leiden, Bitten an eine höhere Macht, ein Einsehen zu haben und die Frage nach dem „Warum“.

Überliefert ist von diesen Gospels der „ersten Stunde“ leider nichts. Zum einen, weil es einem Sklaven bei Strafe verboten ist, lesen oder schreiben zu lernen. Wer es dennoch versucht und dabei erwischt wird, dem droht das Fürchterlichste, denn das Leben eines Aufmüpfigen ist nicht viel wert. Zum anderen aber ist es in Afrika sowieso von jeher unüblich, musikalische Werke niederzuschreiben und zu reproduzieren. Musik wird ausschließlich mündlich überliefert. Es gibt keinen Song, der eine einzige gültige Fassung hat. Immer sind es mehrere Interpretationen nebeneinander, die teils sehr stark variieren.

 

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Letztes Update: 01.06.2008


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