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We shall Overcome

Und dann gibt es da noch die Sklaven. Schwarze, die seit dem 15. Jahrhundert von der Westküste Afrikas verschleppt werden, um auf den Feldern und Plantagen der südlichen Staaten als „billige“ Arbeitskräfte verheizt zu werden. Zusammengepfercht in den dicken Bäuchen der Handelsschiffe werden sie unter den schlimmsten Bedingungen in ihre „neue Heimat“ verfrachtet. Für sie ist Amerika alles andere als das gelobte Land.

Sklaverei ist weiß Gott keine amerikanische Erfindung, aber so etwas im 18. Jahrhundert immer noch? Im Zeitalter von Aufklärung und Menschenrechten? Man hätte sich doch etwas anderes erhofft und auch erwartet! Amerika lässt diese große Chance, ein Zeichen zu setzen, fürs Erste ungenutzt. Zu groß ist die Bequemlichkeit, zu leicht ist das Gewissen zu beruhigen. Freilich: Einen großen Teil der wirtschaftlichen Erträge hätte man ohne die skrupellose Ausbeutung von Menschen, die zur Arbeit gezwungen werden, abschreiben müssen. Zwar hatten die Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Beginn an kein gutes Gefühl dabei, Sklavenhaltung in ihrem freien Land mit ansehen zu müssen, aber „um des lieben Friedens willen“ wird die Sklaverei nicht verboten. Man will keine Unruhen im noch so jungen Staatsgefüge.

Georgia, Virginia und die anderen reichen Südstaaten haben eine wesentliche Rolle bei der Unabhängigkeit gespielt und dürfen nun nicht verärgert werden. Man ist ihnen etwas schuldig, und so duldet man die Sklaverei als das „kleinere Übel“, was immer man auch befürchten mag. Georg Washington, ein Schöngeist und erster Präsident der USA, setzt darauf, dass sich das Problem nach einigen Jahren von selbst erledigen würde. Er baut auf die Ideale der Freiheit, die sich früher oder später durchsetzen würden, und auf die menschliche Vernunft. Ein verhängnisvoller Irrtum, wie sich erweisen soll. Ein Irrtum, der knapp hundert Jahre nach der Unabhängigkeit im blutigsten Krieg in der Geschichte Nordamerikas enden wird.

Im Jahr 1783 wird die Baumwoll-Entkörnungsmaschine erfunden. Dies ermöglicht den großflächigen Anbau von Baumwolle auch in Regionen, die vorher dafür ungeeignet schienen. Und mit den Baumwollplantagen wächst auch der Bedarf an Arbeitskräften. Die Zahl der schwarzen Bevölkerung stieg von etwa 700.000 Ende des 18. Jahrhunderts sprunghaft auf 3,9 Millionen bis zum Jahr 1860 an. Und das, obwohl 1808 die „Einfuhr“ neuer Sklaven per Gesetz untersagt wird.

„We Shall Overcome“ – „Wir werden auch das durchstehen (und eines Tages eine bessere Zeit erleben)“, möchte man ergänzen. Die Erfüllung dieses tiefsten Wunsches der geknechteten Afroamerikaner, der sich in so vielen Spirituals wiederfindet, lässt aber noch lange auf sich warten.

Stellvertretend für alle Menschen, denen es schlecht geht, ist jenes Lied zur Hymne geworden. Ein Lied, das überall dort gesungen wird, wo Menschen leiden müssen. Ein Lied, das nicht nur jeder Gospel-Interpret in seinem Repertoire hat – eben jenes „We Shall Overcome!“

 

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Letztes Update: 01.06.2008


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