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Der verlorene Sieg

Das Scheitern des Präsidenten

In seiner Kongressrede vom 8. Januar 1918 hatte er erstmals seine Friedensvision in einem 14-Punkte-Programm deutlich gemacht. Darin postulierte Wilson allgemeine Grundsätze für den Frieden: Abschaffung der Geheimdiplomatie, Abbau der Handelsschranken, Freiheit der Meere, allgemeine Abrüstung, Lösung der Kolonialfragen und als Kernpunkt: Errichtung eines Völkerbundes zur kollektiven Friedenssicherung. Das klang gut, aber die Umsetzung in einen Vertrag würde erhebliche Schwierigkeiten bereiten.

Im Gegensatz zu Wilsons globaler Friedensordnung, setzten die europäischen Siegermächte auf das alte Ordnungsprinzip vom „Gleichgewicht der Mächte“. Das lief zwangsläufig auf eine Schwächung und Verkleinerung Deutschlands hinaus. Frankreichs Sicherheitsbedürfnis forderte die weitgehende Entwaffnung Deutschlands, Zahlung von Reparationen, Schaffung rheinischer Pufferstaaten, Verbot der deutsch-österreichischen Wiedervereinigung. Auch Großbritannien hielt von idealistischer Völkerverbrüderung wenig, und die von Wilson geforderte „Freiheit der Meere“ erschien der alten Seemacht ohnehin als unannehmbar. So standen die Aussichten für einen „Frieden ohne Sieger und Besiegte“ nicht zum Besten, als Larry seine Überschrift „Friedenskonferenz tagt in Paris“ im Januar 1919 druckte. Viele hatten Wilson gewarnt, sich selbst an die Spitze der Verhandlungsdelegation zu setzen. Das Ringen mit den Staatschefs der Alliierten würde hart werden. Tatsächlich musste Wilson ein ums andere Mal Kompromisse eingehen. Als Erfolg konnte er verbuchen, dass das Völkerbundstatut Bestandteil des Vertrages war. Auch die Bildung französischer Satellitenstaaten im Rhein- und Saarland und die Aufsplitterung Restdeutschlands konnte weitgehend verhindert werden. Ansonsten war vom Geist der 14-Punkte nur wenig zu spüren, als die Besiegten zur Annahme des Vertrages gezwungen wurden. Wilson wurde zu Hause mit gemischten Gefühlen empfangen. Der republikanisch dominierte Senat stieß sich vor allem an Artikel X der Völkerbundsatzung, der die Mitglieder zur gegenseitigen Hilfe gegen Aggressoren verpflichtete. Hier fürchteten die Kritiker eine ständige Verwicklung Amerikas in europäische Angelegenheiten und unberechenbare Abenteuer. Vom Krieg hatte man vorerst genug!

Da Wilson zu keinen Konzessionen bereit war, war eine Ratifizierung des Vertragswerkes durch den Senat nicht in Sicht. Der Präsident warb in einer groß angelegten Rundreise beim Volk für seine Ideen, doch ein Schlaganfall lähmte Wilsons physische Kräfte und seine politische Durchsetzungskraft. In den Senatssitzungen vom 19. November 1919 und 19. März 1920 scheiterte die Ratifikation des Vertragswerkes. „Völkerbundsidee gescheitert!“ teilte Larry seinen Landsleuten mit; der Prophet war im eigenen Land durchgefallen. Erst im Sommer 1921 konnte der Setzer aus New York den Abschluß von Friedensverträgen mit Deutschland, Österreich und Ungarn den Lesern des „Manhattan View“ bekannt geben. Doch da waren sie schon keine Titelstory mehr wert. „Amerikas Geschäfte sind das Geschäft“ – so hätte Larry Debster die folgende Zeit des Isolationismus in Amerika überschreiben können …

 

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© 2005 by Charles Löffler


Letztes Update: 03.10.2006


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