Werners Country Club
Home
Posse
Ranch Brand
Wild West
Native Americans
Waffen
U.S. Geschichte
Star Geschichte der US-Fahne
Star Kennedy vs. Lincoln
Star Vorwort zur geographischen Struktur
Star Nordamerika bis 1789
Star Nord gegen Süd
Star Aufbruch zur Weltmacht
Star Etymologie der Südstaaten
Star Zeittafel USA Geschichte
Star Zeittafel USA Präsidenten
Civil War
Saloon
Wagon Train
Impressum
Termine
Sitemap
Clinch Rifles

Suchen nach:

Nachwehen

Das Schneiderlein und der Kriegsheld

Zu allem Unglück folgte auf den ermordeten Präsidenten Lincoln sein schwacher „Vize“ Andrew Johnson. Das „tapfere Schneiderlein“, wie ihn seine politischen Gegner verächtlich in Erinnerung an seinen erlernten Beruf nannten, war lange Zeit nur eine Marionette der Banker, Börsianer und Industriellen, die den Süden schamlos ausplünderten. Die Verwaltung in den Südstaaten verkam in dieser Zeit immer mehr. Den Radikalen kam das hilflose Reagieren der Bundesregierung gerade recht, zeigte sie doch die „Unfähigkeit“ des Präsidenten, der bei ihnen wegen seiner auf Ausgleich bedachten Politik in Ungnade gefallen war. Nun suchten sie einen Hebel, um ihn vom Präsidentenstuhl zu kippen. Sie brachten zwei Gesetze ein, durch die ein Armeegeneral vor einer Absetzung ebenso geschützt sein sollte wie ein Zivilbeamter. Johnson hielt sich nicht daran, sondern setzte im Februar 1868 den Kriegsminister ohne Zustimmung des Senats ab.

Damals, so erinnerte sich Fulton, titelte seine Zeitung auf der ersten Seite; „Johnson unter Anklage gestellt! Erstes Impeachmentverfahren in der Geschichte der USA!“ Eine einzige Stimme fehlte am Ende, um den Präsidenten abzusetzen. Johnson durfte seine Amtszeit beenden. Doch dann verschwand er von der politischen Bühne…

Die Republikaner hatten derweil General Ulysses S. Grant auf den Schild gehoben, den alten Haudegen des Bürgerkrieges. Fulton hatte damals eine Botschaft Grants abgedruckt: „Wenn ich zum Präsidenten erwählt werden sollte, so soll es mein Bestreben sein, alle Gesetze in gutem Glauben und mit weiser Sparsamkeit auszuführen, um Friede, Ruhe und Sicherheit überall aufrechtzuerhalten.“

Der Wahlkampf wurde mit harten Bandagen geführt. Die Republikaner siegten schließlich mit ihrem „Reconstruction“ (Wiederaufbau) Programm. Zudem rückten sie das Wahlrecht für die befreiten Neger und die wirtschaftliche Ausbeutung des Südens in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes. Dennoch hatten viele Amerikaner im Norden das Gefühl, mit Grant nur das kleinere Übel gewählt zu haben.

Als Ulysses Grant seine Regierungsmannschaft der Öffentlichkeit vorstellte, hieß es in einem Leitartikel entsetzt: „Sein Kabinett ist weiter nichts als eine Versammlung von Stabsoffizieren, die er anscheinend aus Dankbarkeit für früher gewährte Geldvorteile ernannt hat!“ Die Reconstruction brachte Grant dennoch die Punkte für seine Wiederwahl. Doch seine zweite Amtsperiode war nur noch von Skandalen überschattet. Fast täglich lieferte die Bundesregierung negative Schlagzeilen: Veruntreuung öffentlicher Gelder beim Bau der Eisenbahnen, Korruption in fast allen Ministerien, Verdoppelung des Präsidentengehaltes trotz knapper Kasse… Die Republikaner ließen Grant wie eine heiße Kartoffel fallen. Doch nicht nur der Skandale wegen reichte es Grant nicht für eine dritte Kandidatur. Das politische Blatt hatte sich gewendet; die Nordstaatler machten mit dem Süden ihren Frieden. Noch unter Grant erhielt die weiße Oberschicht im Süden ihre alten Rechte zurück. Unter seinem Nachfolger Rutherford B. Hayes verließen 1877 die letzten Bundestruppen die Südstaaten. Der Einfluss der Radikalen schwand wie Schnee in der Frühlingssonne. Die gemäßigten Republikaner vergaßen ihre Neger, der Süden vergaß die Republikaner…

Einige Leute im Süden hatten allerdings nicht vergessen. Da gab es alte Rechnungen mit den „Niggern“ zu begleichen. In Geheimbünden hatten sie sich schon gleich nach Kriegsende organisiert. Der einflussreichste wurde der Ku-Klux-Klan, der unter den Schwarzen Angst und Schrecken verbreitete. Seine „Geisterreiter“ verfolgten jeden Neger, der sich „Übergriffe“ gegenüber Weiße erlaubte. Und „Übergriff“ wurde so großzügig ausgelegt, dass mit Bundestruppen gegen den Klan vorgegangen werden musste. Ruhe herrschte nun im Land. Die Weißen dachten an wirtschaftlichen Gewinn, und die amerikanischen Neger prägten das Sprichwort: „Der von einem dunklen Weibe Geborene ist dazu verdammt, dunkle Tage zu sehen…“

 

weiter nach: Aus dem Tagebuch einer Einwanderin oder zurück

 

© 2005 by Charles Löffler


Letztes Update: 02.10.2006


Civil War Reenactors Austria Clinch Rifles