Der US-Imperialismus a la Roosevelt
„Speak softly, but carry a big stick“ – diese von Präsident Theodore Roosevelt formulierte Version von „Zuckerbrot und Peitsche“ prägte den Weg der USA in den Imperialismus.
Die USA waren binnen kürzester Zeit zu einem wirtschaftlichen Riesen geworden, sie produzierten am Ende des 19. Jahrhunderts weitaus mehr Güter als jede andere Nation: 1913 bestritten sie fast ein Drittel der Weltindustrieproduktion – wohlgemerkt, der Produktion, nicht des Handels. Sie hatten zwar dank der Größe und des raschen Wachstums ihrer Bevölkerung einen beträchtlichen Binnenhandel, aber ihr Anteil am Welthandel war um 1900 kleiner als der deutsche. Wer einen solchen Zuwachs seines Machtpotentials erfährt, wird aber fast zwangsläufig auch in der internationalen Arena eine höhere Position suchen!
Präsident William McKinley (1896 – 1901) vor allem hätte es gerne gesehen, wenn die USA mehr am Welthandel beteiligt gewesen wären. Der Streit mit Spanien um die Insel Kuba ging vordergründig um andere Dinge, aber von seiten der USA steckte auch der Wille dahinter, diese inzwischen zweitklassige europäische Macht vom Kontinent zu vertreiben und „Großmacht“ zu werden. Denn wie wird man Großmacht? Geradeso, wie man Boxweltmeister wird: Man muss den bisherigen Weltmeister schlagen! Das machten nun die USA, denn Spanien wurde nach wie vor als Großmacht betrachtet. Als ein amerikanisches Schiff, die „Maine“ von einer Bombe unbekannter Herkunft beschädigt wurde, tobte die amerikanische Presse: „Remember the Maine, to hell with Spain“!
Der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 dauerte nicht sehr lange; die USA vertrieb Spanien aus Kuba, das sie nun selbst unter ihre Fittiche nahmen; und da auch die Philippinen spanisch waren, griffen sie nun auch nach Ostasien. Das war praktisch, denn das öffnete ihnen den Weg nach China. Präsident McKinley versprach, er wolle die Philippinen „zivilisieren und christianisieren“ – entweder wusste er nicht, dass die Philippinen seit Jahrhunderten katholisch waren, oder er zählte den Katholizismus nicht zum christlichen Glauben! Die Filipinos waren übrigens gar nicht so begierig, von spanische unter amerikanische Kuratel zu geraten: Sie unternahmen einen Aufstand, den die Amerikaner blutig niederschlugen…
Seinerzeit schnitten sich die Europäer immer schamloser Stücke aus dem chinesischen Territorialkörper heraus und machten sie zu unabhängigen Gebieten. Die USA gelobten seinerzeit unter ihrem Außenminister Hayes, in China den Zutritt für alle Nationen offen zu halten, die sog. „Open-Door-Policy“ also weiterzuverfolgen – in Wahrheit war es dazu schon zu spät, und auch die USA versuchten, sich ihre Stücke vom chinesischen Handelskuchen zu sichern.
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© 2005 by Charles Löffler