Die Folgen eines BĂĽrgerkriegs
Der schreckliche Bürgerkrieg war vorbei, die Union wiederhergestellt, die Sklaverei aufgehoben. Doch auf die Frage eines Weißen nach dem Nutzen der erlangten Befreiung antwortete ihm ein alter Neger: „Wir fanden bald, dass Freiheit stolz machen kann, aber reich macht sie nicht…“
Susan Hooker kratzte wütend mit der Tintenfeder über das Papier: „An jeder Straßenecke unserer Stadt singen die freigelassenen Neger das gleiche hoffnungslose Lied: ’ne Brotkruste, ’n Schlafloch und keine Kammer, ’n klein bisschen Spaß für’n Haufen von Sorgen, ’n Augenblick lächeln – und weinen bis morgen. Nur niemals freuen, sonst doppelter Jammer – und das ist das Leben.’
Dafür habe ich nicht zwei Brüder in dem unseligen Krieg verloren! Was wurde in den nunmehr fünf Jahren seit Kriegsende für die Neger erreicht? Herzlich wenig! Durch drei Gesetze wurden sie den Weißen gleichgestellt. Doch in unsere Gesellschaft eingebettet sind sie bis heute noch nicht. Im Gegenteil: Mir scheint, die Südstaatler befinden sich wieder auf dem Vormarsch!“
Der Chefredakteur der Hamilton Post hielt einen Tag später Susans Leserbrief in Händen. Robert Fulton kannte schon im voraus den Inhalt dieser Schreiben; haufenweise flatterten sie in diesen Tagen in die Redaktion. Jede Woche opferte er für ihre Veröffentlichung eine ganze Seite. Im Norden Amerikas regte sich Widerstand gegen die zunehmende Tendenz zur Wiederherstellung der „alten Ordnung“, wie sie vor dem Krieg im Süden geherrscht hatte.
Doch Fulton kannte auch die andere Seite. Erst vor ein paar Tagen hatte ein einflussreicher Geschäftsmann ihm hämisch einen Zeitungsausschnitt auf den Tisch gelegt, den er von einer Geschäftsreise nach Memphis/Tennessee mitgebracht hatte. Darin klang alles ganz anders: „Es wäre für die ganze schwarze Brut besser, wenn sie von der Pest fortgefegt würde… Man könnte genauso gut den Affen aus Südamerika das Stimmrecht geben wie diesen Plantagennegern aus Mississippi!“
Den Zeitungsmann widerten derartige Hassausbrüche an. Doch Schuld daran trugen auch die Radikal-Republikaner, die den Kongress beherrschten. Hatte er nicht selbst vor Jahren davor gewarnt, die Regierungsgewalt in den Südstaaten in die Hände der „Carpetbaggers“ und „Scalawags“ zu legen? Diese Glücksritter aus dem Norden, die jetzt plötzlich im Süden das politische Sagen hatten, konnten das Vertrauen der Menschen dort ebenso wenig gewinnen wie die Politiker aus den Südstaaten selbst, die auf die Politik des Nordens einschwenkten – vor allem dann nicht, wenn man die ehemals führende weiße Oberschicht aus allen politischen Ämtern per Gesetz fernhielt. Doch der Kongress scherte sich damals wenig um die Meinung der Vernünftigen, dachte Fulton bitter. Die Radikalen sahen die Südstaaten als besiegten Feind an, der für sein Verbrechen, aus der Union ausscheiden zu wollen, büßen musste!
weiter nach: Das Schneiderlein und der Kriegsheld oder zurĂĽck
© 2005 by Charles Löffler