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Ausgriff - Vom "Hinterhof" zum Pazifik

Kolonialmacht USA

Der „Hinterhof“ der USA ist die Karibik, und vom Pazifik waren die Vereinigten Staaten zum Zeitpunkt ihrer Unabhängigkeit noch mehrere 1000 Kilometer entfernt. Doch schon 1726 hatte Bischof Berkeley erklärt: „Nach Westen nimmt der Lauf des Empire seinen Weg…“

Damit hatte er die aus dem alten Testament stammende Vorstellung aufgegriffen, dass nach Gottes Willen die Weltreiche vom Osten nach Westen wanderten: von den Persern und Assyrern zu den Griechen und Römern. Und nun war eben Amerika dran!

In der Karibik fasste man zwar erst 1803 mit dem Kauf Louisianas von Frankreich und 1819 mit dem Erwerb Floridas Fuß, aber im Geiste gehörte schon der gesamte amerikanische Kontinent zum „New American Empire“, wie Thomas Jefferson befand: „Amerika besitzt ja eine ganze Hemisphäre für sich…“

In den 1860er Jahren gar meinte Außenminister Seward, Mexico City sollte der Sitz eines zukünftigen amerikanischen „Empire“ werden. Und Präsident Adams sah zwar davon ab, England seinen kanadischen Kolonialbesitz streitig zu machen, beanspruchte aber gleichzeitig den „Rest des Kontinents“. Damit erfand er den Grundgedanken der im Dezember 1823 von Präsident Monroe verkündeten „Doktrin“, die besagte: keine europäische Kolonie mehr auf amerikanischen Boden, denn „irgendein Versuch, dieses politische System (d.h. das der europäischen Mächte und ihren Anhängsel, der hauptsächlich Spanischen und portugiesischen Kolonien) in irgendeinem Teil dieser Hemisphäre auszudehnen, ist gefährlich für unseren Frieden und unsere Sicherheit!“ Damit wurde zunächst Madrid und Lisabon auf Distanz gehalten, die nun nicht mehr hoffen konnten, die seit 1808 in ihren Kolonien fortschreitenden Unabhängigkeitsbewegungen aufzuhalten.

Dieser kontinentweite Zugriff war so entschieden und beherzt, und er wurde im Norden von einer so rasanten Ausdehnung begleitet (1845 Texas, 1846 der Nordwesten mit Oregon, 1848 schließlich der Erwerb Kaliforniens, Arizonas, Neu-Mexikos, Utahs von dem geschlagenen Mexico), dass man ihn nicht anders als aus einer weltanschaulichen Grundüberzeugung heraus erklären kann! Diese war der Puritanismus, der seit der Kolonialzeit die Gesellschaft an der Ostküste geformt hatte: Gottes „auserwähltes Volk“ hatte ein neues Weltreich zu errichten, um von ihm aus die Welt sittlich zu bessern!

Daher stammt das zu Beginn des 19. Jahrhunderts gepflegte, religionsgeladene Schlagwort von „Manifest Destiny“, von der „offensichtlichen (gemeint ist geradezu: „geoffenbarten“) Bestimmung“ der USA. Man schwärmte von einer Überlegenheit der „angelsächsischen Rasse“, die einen „unaufhaltsamen Fortschritt“ mit sich trüge. Begründet war dieser in der neuartigen Freiheit der amerikanischen Republik, und diese war ein Leuchtturm der Freiheit für das gesamte, von Tyrannen geknechtete Welt – die USA als „unabsichtliche Instrumente Gottes“, wie es der Geistliche Theodore Parker formulierte. Dass das angeblich gar nicht anders ging, deutete auf den Gedanken der Vorbestimmung hin, und der gehörte zum Grundbestand kalvinistisch-puritanischen Glaubensgutes.

„Fortschritt“ auf der Landkarte aber bedeutete: Ausdehnung. „Das Prinzip unserer staatlichen Einrichtungen ist Expansion“, erklärte kurz und bündig 1852/53 Außenminister Everett. Die Erfüllung von „Manifest Destiny“ war umso einfacher, als der Kontinent nördlich des Rio Grande machtpolitisch leer war. Denn die zahlenmäßig schwachen, ungenügend bewaffnetet und stets uneinigen Indianerstämme bildeten kein ernsthaftes Hindernis. Ob man leeres Land besetzte oder ob man den Indianern ihr Land wegnahm, spielte für den Erfolg kaum eine Rolle.

 

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© 2005 by Charles Löffler


Letztes Update: 03.10.2006


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