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Im Aufschwung

Konzerne und Krisen

Der Taubstummenlehrer Alexander Graham Bell entwickelte das Telefon; 1878 gründete er die Bell Telefone Company; um das Jahr 1900 gab es bereits 56 000 Anschlüsse in 55 Ortsnetzen.

1908 wurde die „Traumfabrik“ Hollywood geboren, als dort die ersten Filme gedreht wurden; 1921 verfügte „Filmmogul“ Adolph Zukor über 300 „Paramount“ Filmtheater im ganzen Land; sein Konkurrent Marcus Loew gründete 1923 die „Metro-Goldwyn-Mayer“ Filmgesellschaft.

Erfinder und Unternehmer in einem war auch Thomas A. Edison, der aus dem Erfinden ein Geschäft machte und Amerika im wahrsten Sinne des Wortes erleuchtete.

Die „großen Drei“ jedoch im Kreis der Multimillionäre, das waren Andrew Carnegie, der „Stahlkönig“, John D. Rockefeller, der erste „Öl-Multi“, und J. P. Morgan, ein Wallstreet-Spekulant und „Bankenkönig“, der Einfluss auf die gesamte amerikanische Wirtschaft hatte. In 21 Eisenbahngesellschaften hatte Morgan seine Aufsichtsräte sitzen; er selbst saß in 59 Aufsichtsräten, und mit der „United Steel Corporation“ hatte er den Markt vom Rohstoff bis zum Endprodukt in seiner Hand.

Um die Jahrhundertwende war in den USA die Aktiengesellschaft das wesentliche Instrument, mit dem die Industriekapitäne solche Riesenreiche zusammenzubauen vermochten. Es gab müde Versuche der Entflechtung, Shermans Anti-Trust-Gesetz etwa, das ohne ernsthafte Wirkung blieb.

Wer es in den USA zum Boss eines großen Konzerns gebracht hatte, der hielt sich für befähigter als andere. So gedieh die Ideologie des „Laissez faire“ in der Wirtschaft; sie schien dem amerikanischen Kapitalisten die einfachste Rechtfertigung. Noch populärer waren die Ansichten des englischen Philosophen Herbert Spencer, dessen Antipathie gegen den Staat den Idealen des amerikanischen Geschäftsmannes am nächsten kam. Spencers Staatsphilosophie beruhte auf einem Sozialdarwinismus, der auch im Wirtschaftsleben das Überleben des Stärkeren als „natürliche Auslese“ akzeptierte. Jedoch gab es im Denken der Industriebosse einen seltsamen Widerspruch: Schutzzölle und Landzuweisungen, Subventionen und Anleihen wurden zwar huldvoll entgegengenommen, aber Hilfe für die Farmer, Wirtschaftslenkung, Mitsprache von Gewerkschaften oder gar soziale Fürsorge für die Arbeiter wurden als Verletzung des „Naturgesetzes“ betrachtet…

Als Opfer der ökonomischen „Naturgesetze“ waren freilich auch die vielen gescheiterten Geschäftskarrieren anzusehen. Bei einer unter Volldampf stehenden Wirtschaft konnten „Betriebsunfälle“ gar nicht ausbleiben. In den 1870er und den 1890er Jahren zerplatzte die überhitzte Konjunkturblase in schweren Wirtschaftskrisen, die neben zahlreichen Spekulanten auch viele kleine Unternehmer, Handwerker und Farmer ruinierten.

Die Selbstheilungskräfte der US-Wirtschaft blieben aber beachtlich, und dass sie imstande war, alleine zwischen 1870 und 1900 einer sich verdoppelnden Bevölkerung Arbeit, Nahrung und eine Zukunft zu geben, bestätigte nachdrücklich ihren Anspruch auf die „unbegrenzten Möglichkeiten“…

 

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© 2005 by Charles Löffler


Letztes Update: 02.10.2006


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