Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Nach dem Bürgerkrieg blühte das wiedervereinte Land explosionsartig auf. Es gab einen gewaltigen ökonomischen und technologischen Anschub, ein amerikanisches „Wirtschaftswunder“, das Mega-Konzerne und Multimillionäre gebar und den Mythos vom „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ mit neuer Nahrung versah.
Die Eisenbahnen stießen mit ihren eisernen Pfaden durch das Land vor, verbanden den prosperierenden Osten mit dem unerschlossenen Westen und waren ein ebenso lukratives wie skrupelfreies Betätigungsfeld für Wirtschaftsbarone. In ihrem Windschatten wurde die Stahlindustrie groß, dann die Erdölbranche und schließlich die Bankenwelt. Das Draufgängertum der Eisenbahnleute wiederholte sich in einem Industriezweig nach dem anderen; denn Amerika war ein freies Land, wo ein Mann mit Ehrgeiz, Energie und klarem Blick ein Vermögen schaffen konnte. Die Sauberkeit der Methoden spielte keine Rolle, und erst später kam eine breitere Öffentlichkeit dahinter, dass die Jahre nach dem Bürgerkrieg auch zum Zeitalter der amerikanischen Wirtschaftspiraten geworden waren…
Mit dem Bau der Transkontinentaleisenbahn – von Westen her durch die „Central Pacific Railroad of California“; von Osten her durch die „Union Pacific“ – wurde die Schlacht in diesem Wirtschaftskrieg eröffnet. Es gab bei diesem euphorisch beklatschten Jahrhundertprojekt nämlich auch einen gigantischen Subventionsschwindel: Beide Gesellschaften erhielten 21 Millionen Morgen staatlichen Grundbesitzes als Landzuweisung, außerdem Millionenkredite in Staatsobligationen. Aus den an die Route angrenzenden Städten und Kreisen wurden weitere Dollars herausgeholt für den Bau von Bahnhöfen oder alleine für die Zusage, dass die Route an den Städten vorbeiführte. Beim Bau selbst wurde skrupellos getürkt; so wurden z.B. zahlreiche Kurven eingeplant, um die Subventionen des Staates zu erhöhen, der nach gebauten Kilometern zahlte….
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© 2005 by Charles Löffler