Weltmacht durch Welthandel
Und Washington verstand es auch, das riesige Gebiet zwischen den Alleghenies und dem Pazifik fest an sich zu binden und zu durchdringen, viel besser als die Franzosen im 17. und 18. Jahrhundert rund um den Mississippi und Ohio, oder als die Spanier, die erst ab die erst ab dem 18. Jahrhundert versucht hatten, nördlich des Rio Grande einige Stützpunkte einzurichten. Grundlage dieser neuartigen staatlichen Organisation war die „Northwest Ordinance“ von 1787, zurückgehend auf Gedanken von Thomas Jefferson: Ein Territorium konnte der Union als gleichberechtigtes Mitglied beitreten, sobald es das in freier Entschließung wollte und sobald es eine Mindestzahl an Bevölkerung aufwies und einen Mindestapparat an staatlicher Selbstverwaltung besaß. Der schnelle Erfolg lehrte, dass dieses Prinzip weitaus wirkungsvoller war, als wenn man zunächst erst mühevoll kolonisiert und dann allmählich die Staatsverwaltung nachgezogen hätte.
Das amerikanische Imperium konnte sogar weltweit werden, wenn man es als „Informal Empire“, als Reich der herrschenden Handelsmacht verstand. Das hatten die USA den Briten abgeschaut, deren Flagge unter den Vorzeichen des Freihandels damals auf allen Meeren wehte. „Der Handel über die Welt bedeutet die Herrschaft über die Welt“, meinte einmal mehr Außenminister Seward dazu. Man musste nur einige „amerikanische Hongkongs“ erwerben, aber wenig fremdes Land annektieren, sonst waren die finanziellen und politischen Risken nicht mehr kalkulierbar. Mit dem industriellen Aufschwung nach Beendigung des Bürgerkrieges wurden solche Ideen zu Leitsternen der US-Außenpolitik.
Da Seward mit diesen Gedanken schon in den 1840er Jahren hervortrat, war es klar, dass der außenpolitische Grundsatz George Washingtons, in den Konflikten Europas strikt neutral zu bleiben, nur bedingt galt. Schon die Durchsetzungskraft der „Monroe-Doktrin“ hatte weniger von der US-Kriegsflotte im Atlantik abgehangen als von dem Umstand, dass England den französischen und russischen Bestrebungen entgegentrat, sich unter dem Vorwand der Hilfe für Spanien in der neuen Welt festzusetzen. Überhaupt wurde die amerikanische Expansion dadurch begünstigt, dass sie niemals in unlösbaren Konflikt mit England geriet. Und von Kanada ließen die Yankees ab 1846 schließlich doch die Finger. Das England im Bürgerkrieg mit den Südstaaten sympathisierte, blieb Episode, ebenso ergebnislos war Frankreichs Versuch, durch das „Kaiserreich Mexiko“ unter dem österreichischen Erzherzog Maximilian (1864-1867) in Mittelamerika Fuß zu fassen.
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© 2005 by Charles Löffler