Der Kriegsverlauf
Vorgegeben waren von der Geographie auch die beiden Hauptschauplätze: im Osten der relativ schmale Landstreifen zwischen Chesapeake-Bucht und den Appalachen-Gebirge, und westlich davon das weitgespannte Hügelland bis zum Mississippi und darüber hinaus. (Eine dritte, wichtige Frontlinie wurde die Küste der CSA, um die die Union einen Blockadering legte, den wagemutige Blockadebrecher nur in bescheidenem Maße durchbrechen konnten, um die so "exportierte" Baumwolle gegen Waffen einzutauschen.)
Der östliche Kriegsschauplatz umfasste den Staat Virginia, das westliche Maryland und den südlichsten Teil von Pennsylvanien - ein Gebiet, etwa so groß wie Süddeutschland. Sein Kernstück wurden die rund 150 Meilen, die die beiden Hauptstädte Washington und Richmond voneinander trennen - bald der blutgetränkteste Boden der USA!
Während der vier Kriegsjahre unternahm der Norden insgesamt sechs höchst verlustreiche Feldzüge, um Richmond auf dem direkten Wege zu erobern. Relativ glimpflich ging nur die erste Schlacht bei Bull Run am 21. Juli 1861 ab, die erste des Krieges überhaupt, die eher einer bewaffneten Massenschlägerei glich und die Notwendigkeit einer "vernünftigen" Militär-Organisation unterstrich.
Nach einer Kampfpause von elf Monaten waren die beiden Gegner aufgerüstet genug, um sich schlimme Verluste zuzufügen. Im März 1862 wurde die "Potomac-Armee" der Union zur virginischen Halbinsel (zwischen den Flüssen James und York) eingeschifft, um Richmond von Südosten her anzugreifen. Der Feldzug dauerte fünf, für die Truppen schlimme, Monate, und wenn die Unionstruppen unter General McClellan auch bei Malvern Hill einen Erfolg errangen, so mussten sie sich im August doch geschlagen zurückziehen. Zur gleichen Zeit spielte sich im Landesinneren von Virginia, vor allem im fruchtbaren Shenandoah-Tal, ein verbissener Kleinkrieg ab, bei dem der populäre Südstaaten-General Thomas "Stonewall" Jackson mehrfach weit überlegene Unionstruppen schlug.
Im August versuchte der Norden unter General Pope einen erneuten direkten Vorstoß nach Richmond, der wieder bei Bull Run aufgehalten wurde, diesmal aber mit erheblich höheren Verlusten. Lincoln stellte daraufhin McClellan erneut an die Spitze der Potomac-Armee, und dieser musste sich umgehend mit einem Gegenangriff des Südens unter General Lee auseinandersetzen. Bei Sharpsburg, am Flüsschen Antietam, konnte McClellan die Konföderierten zurückschlagen, freilich mit so verheerenden Verlusten, dass er wenig Lust zeigte, dem Gegner nachzusetzen. Der Oberbefehlshaber wurde deshalb von General Burnside abgelöst, der die Potomac-Armee erneut gegen Richmond und am 13.12.1862 in die verheerende Niederlage von Fredericksburg führte. Neuer Heerführer wurde General Hooker, der im Frühjahr 1863 125 000 Mann gegen Fredericksburg führte - die Amerikaner hatten inzwischen den Stellungskrieg "erfunden". General Lee konnte nur 61 000 Mann entgegenstellen, trotzdem errang er vom 1. bis 3. Mai bei Chancellorsville einen klaren Sieg.
Der Süden stand Kopf und erwartete von seinen Helden nun einen Vorstoß ins Feindesland, der dem demoralisierten Norden den Rest geben würde. Der weniger optimistische Lee musste nachgeben, wählte aber nicht das stark befestigte Washington, sondern Philadelphia als Angriffsziel. Die Nordarmee - inzwischen unter General Meade - folgte Lees Truppen in sicherem Abstand. Beide Seiten suchten das günstigste Schlachtfeld!
Und dann stolperten die beiden Armeen bei Gettysburg zufällig übereinander. Im allgemeinen Chaos konnten die Unionstruppen am 1. und 2. Juli den beherrschenden "Friedhofshügel" besetzen. Lees Befehl am folgenden Tag, die Stellung im Sturmangriff zu nehmen, kostete ihn die Elite seiner Armee und den Ruf der Unbesiegbarkeit.
Lee konnte sich trotz der schweren Niederlage geordnet zurückziehen, womit beide Heere wieder beim Ausgangspunkt angelangt waren. Es war offensichtlich, dass nur ein Oberbefehlshaber von überdurchschnittlicher Zähigkeit und Härte die Überlegenheit der Union in Siege umsetzen konnte!
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz hatte sich ein gewisser Ulysses S. Grant diesen Ruf erworben, und er wurde nun von Lincoln an die Spitze der Armee berufen. Grant wurde seinem Ruf gerecht: Erbarmungslos jagte er seine Truppen in das Urwaldgebiet der Wildnis; vom 5. Mai an bis Mitte Juni 1864 wurde hier gekämpft, getötet und gestorben. Niederlagen ignorierte Grant einfach, so etwa die von Cold Harbour, wo er an einem einzigen Tag 60 000 Mann verlor. Grant wusste: Er konnte seine Reihen wieder auffüllen, während unter Lees Truppen Großväter und halbe Kinder auftauchten!
Im Sommer 1864 war Lee in die Befestigungen von Richmond und Petersburg zurückgedrängt, hielt dort dem Druck der Union aber noch acht Monate stand, und er wurde zur Aufgabe der Hauptstadt auch nicht durch den belagernden Grant gezwungen, sondern durch die von Süden heranrückenden Unionstruppen Shermans. Um sich der drohenden Umklammerung zu entziehen und sich zu den Resten der West-Armee durchzuschlagen, zog Lee Ende März 1865 aus Richmond ab. Am 9. April wurde er jedoch von dem nachsetzenden Grant bei Appomattox gestellt und musste im Gerichtsgebäude des kleinen Ortes die Kapitulation unterzeichnen. Lees Armee bestand zu diesem Zeitpunkt aus ganzen 26 000 Mann. Alleine in den letzten zwei Kriegswochen waren 10 000 "Graue" getötet oder verwundet worden oder verschwunden, 15 000 waren in Gefangenschaft geraten, etwa weitere 15 000 desertiert!
Am 13. März 1865 war das Korps des Generals Gottfried Weitzel (geboren in Rheinland/Pfalz) in Richmond eingezogen. Damit war der Krieg für die CSA verloren, auch wenn sich die letzten Truppenteile erst im Juni ergaben.
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© 2003 by Charles Löffler