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Der letzte Akt

Die Indianer Kriege

Die Entstehung der USA war gleichbedeutend mit dem Vorrücken der "Grenze", einem ständig sich verändernden Siedlungsstreifen, der am Anfang des 18. Jahrhunderts in den Appalachen und hundert Jahre später am Mississippi stand. Diese Schaffung neuen Siedlungslandes für die europäischen Einwanderer war gleichbedeutend mit der Vertreibung der Indianer. Die Landverkäufe der US-Regierung an Farmer und Makler nahmen rasch riesige Ausmaße an, und die Verträge mit den Indianern wurden meist schon gebrochen, bevor die Tinte trocken war.

Der ausgeprägte Individualismus der Grenzer wirkte sich für die Indianer besonders tragisch aus; Land wurde widerrechtlich in Besitz genommen und das Wild, auf das die Indianer für die Ernährung und Bekleidung angewiesen waren, rücksichtslos ausgerottet. Viele Weiße töteten bedenkenlos jeden Indianer, den sie zu Gesicht bekamen, und wenn diese sich wehrten, folgte diesen "Indianerangriffen" nicht selten die brutale Ausrottung ganzer Stämme.

Bis 1850 war das Mississippital ziemlich dicht bevölkert und die Indianerstämme in weiter westlich gelegene Gebiete verdrängt worden, aber der Kolonistenstrom nahm kein Ende, und der Bau der Eisenbahn beschleunigte die Besiedelung des Westens. Der amerikanische Bürgerkrieg bedeutete bei dieser Entwicklung keinen wesentlichen Einschnitt, der Untergang der Indianer wurde dadurch nicht verhindert.

Mit Ausbruch des Krieges hatten sich die US-Truppen aus Texas und Arkansas zurückgezogen, und das Indianergebiet (heute: Oklahoma) wurde von den Konföderierten annektiert. Durch den Bürgerkrieg war die Lage der Indianer unbestimmt; unter dem Cherokee-Häuptling John Ross wollten sie vergeblich die Neutralität bewahren.

Der Süden brachte mehrere Stämme dazu, Verträge zu unterzeichnen und Einheiten für die Südstaatenarmee aufzustellen. Diejenigen Indianer, die zum Norden hielten, wurden im Indianergebiet von den Konföderierten besiegt und flohen zu Tausenden nach Kansas, und als im Juli 1862 Truppen des Nordens eine Südstaateneinheit im Indianergebiet besiegten, liefen 1500 Cherokee vom Süden zum Norden über.

Als aber Indianeragenten des Nordens versuchten, die Cheyenne und Arapaho umzusiedeln, entstand daraus eine dreijährige Auseinandersetzung, in deren Verlauf eines der grausamsten Massaker der amerikanischen Geschichte stattfand, nämlich der Überfall der US-Kavallerie auf das Indianerreservat Sand Creek (nachgestellt im Film !Little Big Man"): Gemäß dem Spruch von General Sherman, dass "nur ein toter Indianer ein guter Indianer" sei, lies Colonel Chivington im November 1864 etwa 450 Cheyenne, vorwiegend Frauen und Kinder, auf brutalste Art ermorden. 1865 gaben die Cheyenne und Arapaho den Kampf auf; die Kiowa und Komanchen beugten sich ebenfalls.

Viele Befehlshaber des Bürgerkriegs, wie Sherman, Miles, Sheridan und Custer, wurden nach dem Kriegsende sogleich gegen die Indianer eingesetzt, als sich im Norden etwa 16 000 Sioux auf den Kriegspfad begaben, weil Minengesellschaften in das Gebiet von Montana vordrangen und Bahnlinien planten. Häuptling Red Cloud warnte die Weißen vergeblich, und als im Sommer 1866 eine Truppe unter Captain Fetterman in das Gebiet eindrang, wurden alle 82 Soldaten getötet.

Auch unter den Weißen gab es genügend Kritiker an der Politik gegenüber den Eingeborenen; sie verfolgten eine friedliche Lösung des Problems und brachten ihre Vorschläge 1867 vor den Kongress: Danach sollten 54 000 Indianer in den Black Hills von Dakota und 86 000 im heutigen Oklahoma angesiedelt werden und ihr Nomadendasein aufgeben. Einige Stämme akzeptierten, darunter auch die Sioux, wodurch neues Siedlungsgebiet für Farmer im Mittleren Westen frei wurde. Allmählich wurden zwischen Mississippi und Rocky Mountains mehrere Reservate geschaffen - im Vergleich zu den bisherigen Jagdgründen enge Bezirke von meist minderwertigem Land, auf dem die Indianer als Farmer leben sollten und von der amerikanischen Regierung Nahrung und Kleidung als "Belohnung" für ihre Sesshaftigkeit erhielten.

Aber viele jüngere Krieger weigerten sich, die angestammten Jagdgründe zu verlassen und den "way of life" des weißen Mannes anzunehmen; etwa 2000 von ihnen gingen zwischen Kansas und Texas entlang der weißen Siedlungsgrenze auf Kriegspfad. Außerdem drangen trotz der Abmachung weiße Siedler auf Indianergebiet vor, vor allem wenn dort Gold gefunden wurde, wie im Siouxreservat Black Hills. Indianerüberfälle und Vergeltungs-Maßnahmen der US-Army wechselten sich ab, und die Vernichtung von 265 amerikanischen Kavalleristen im Jahre 1876 unter Colonel Custer am Little Big Horn durch 2500 Sioux-Krieger unter Häuptling Sitting Bull wurde zum berühmtesten Ereignis der Indianerkriege.

Aber die insgesamt 200 000 Rothäute der westlichen Prärien hatten dennoch keine Chance gegen immer neue Regimenter und den Landhunger der weißen Farmer. Um den Vorstoß der Weißen zu schützen, waren über 30 000 Soldaten, zum größten Teil Veteranen des Bürgerkriegs, im Einsatz. Bis 1880 waren fast alle Stämme unterworfen; Hunger und harte Winter hatten zu Vernichtung und schließlicher Resignation des roten Mannes beigetragen, und auch der letzte Stamm, der Widerstand leistete, die Apachen unter Häuptling Geronimo, wurde 1888 unterworfen und in Reservationen untergebracht. Ein allerletztes Aufbäumen, der Aufstand der Sioux bei Wounded Knee 1890, endete ebenfalls mit einer völligen Niederlage der Indianer und einem Massaker an Frauen und Kindern.

Nun gab es in Amerika kein "Grenzland" mehr: In einem 30jährigen Kampf hatten die weißen Amerikaner die Ureinwohner ihres Landes fast völlig ausgerottet, deren einziges Verbrechen es war, ihre eigene Kultur behalten zu wollen. Etwa 1000 Indianer, die als Scouts in den Truppen der USA dienten, hatten allerdings zum Untergang ihrer Rasse beigetragen, und einige Neger-Regimenter, von den Indianern wegen ihrer schwarzen Locken "Buffalo Soldiers" genannt, wurden ebenfalls gegen die "Roten" eingesetzt.

Die Ausrottung der eigentlichen Büffel war dabei einer der wichtigsten Faktoren des indianischen "Holocaust": Etwa 15 Millionen Bisons lebten in den Prärien. Die Tiere bedeuteten für die Indianer fast die ganze Lebensgrundlage, sie wurden restlos verwertet für Nahrung, Kleidung, Waffen und Zelte. Die weißen "Sportsmänner" töteten jährlich etwa drei Millionen Büffel, entweder als Jäger im Dienste der Eisenbahngesellschaften oder als Hobby-Schützen aus den Fenstern der Züge heraus. Damit war die materielle Lebensbasis der Indianer vernichtet und sie mussten sich den neuen Gegebenheiten der amerikanischen Zivilisation in den Reservaten anpassen. 1890 waren noch ganze hundert Exemplare dieses Urviehs im Westen übrig.

Das Vorantreiben der Eisenbahnlinien, die Ausrottung der Büffel, das militärische Potential der USA nach dem Bürgerkrieg und die immer größer werdende Zahl von Siedlern ließen die Indianer zu Gefangenen im eigenen Land werden.

 

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© 2003 by Charles Löffler

 


Letztes Update: 09.01.2007


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