Überfall auf Harper's Ferry
Immer größer wurde die Spannung, bis am 17.Oktober 1859 ein erster Funke ins Pulverfass fiel; über Telegrafen wurde folgende Meldung verbreitet: "Wie soeben bekannt wurde, hat in den frühen Morgenstunden des 17. Oktober ein blutiger, militanter Überfall auf das nationale Bundeswaffenarsenal zu Harper´s Ferry in Virginia stattgefunden. Das Arsenal fiel nach kurzem, blutigem Kampf den Aufrührern in die Hand."
John Brown, ein eingefleischter Verfechter der Sklavenbefreiung, war an der Spitze einer Bande in das Zeughaus eingedrungen, um Waffen zu erbeuten, sie an befreite Neger zu verteilen und so einen Sklavenaufstand in den Südstaaten auszulösen. Doch die in dem Arsenal arbeitenden und nunmehr befreiten Negersklaven befreiten lieber erst einmal ihre Herren und gaben diesen die Waffen zurück. So kam es zum Kampf, in dessen Verlauf John Brown und seine 18 Kumpane sich verschanzten und erst durch Bundestruppen gefangen genommen werden konnten. Brown und die überlebenden Mitverschwörer wurden eingesperrt. Die Wogen der Emotionen in der Bevölkerung schlugen hoch; auch im Kongress kam es zu erregten Debatten. Die Republikaner lehnten jede Verantwortung ab und schoben die Schuld auf die Abolitionisten. Schließlich wurde eine vertraute Lösung gefunden: Man gründete einen Untersuchungsausschuss!
Die Presse der Nordstaaten machte derweil John Brown, der in der Zeit des "blutigen Kansas" schon etliche Morde begangen hatte, zum Märtyrer der Sklavenbefreiung. Bei seinem Prozess wurde er von den besten und teuersten Rechtsanwälten verteidigt - vergebens. (Allerdings nicht umsonst, denn das Honorar der Anwälte bezahlten Unbekannte.) John Brown wurde zum Tode verurteilt und am 2. Dezember 1859 gehenkt.
Im Jahr 1860 stand die Wahl eines neuen Präsidenten an. Die Demokratische Partei spaltete sich in einen pro-südlichen und einen pro-nördlichen Flügel. Die Republikaner stellten den radikalen Verfechter der Einheit der Union, Abraham Lincoln, als Kandidaten auf. Lincoln siegte mit relativer Mehrheit, obwohl er in 15 Staaten überhaupt keine Wahlmänner und in 10 Südstaaten keine einzige Stimme bekommen hatte. Lincoln, ein Anwalt aus Illinios, war sicher ein Idealist, der die Einheit der USA über die Selbstbestimmungsrechte der Staaten stellte, er wurde aber auch ein nützliches Werkzeug der Finanzkreise der Nordstaaten. Seine Wahl empfanden die Südstaaten jedenfalls als eine indiskutable Hypothek.
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© 2003 by Charles Löffler