WiedersprĂŒche im gelobten Land
"Hier sind Reich und Arm nicht so weit voneinander entfernt wie in Europa ... Hier hĂ€lt der Lohn des FleiĂes Schritt mit der MĂŒhe. Alle helfen wohlgenĂ€hrt auf den Feldern, deren ĂŒppige Ernten sie nĂ€hren und kleiden, und kein despotischer FĂŒrst, kein mĂ€chtiger Herr fordert seinen Anteil!"
Ein Armer Europas, der sich mit anderen in diesem groĂen amerikanischen Zufluchtsort ein Stelldichein gegeben hat, berichtet 1782 begeistert von den scheinbar paradiesischen ZustĂ€nden jenseits des Atlantiks.
Paradiesisch scheinen zunĂ€chst tatsĂ€chlich die ZustĂ€nde in den 13 Kolonien, deren Menschen sich 1787 zum Volk der Vereinigten Staaten zusammengeschlossen und sich eine Verfassung gegeben hatten, um "das allgemeine Wohl zu fördern und die Segnungen der Freiheit (sich selbst) und (ihren) Nachkommen zu bewahren" (siehe "Von der Freiheit zur Einheit"). Vier Millionen Einwohner einschlieĂlich 750 000 Negersklaven lebten 1790 in den 13 Staaten - damals wurde die erste VolkszĂ€hlung vorgenommen (die Ureinwohner, die Indianer, tauchten freilich in keiner Statistik auf). Die Bevölkerungsdichte der weiĂen Einwanderer betrug ganze 1,7 Einwohner auf einen Quadratkilometer, 97 Prozent der Bevölkerung wohnte in Orten mit weniger als 8000 Einwohnern, die HĂ€lfte aller Amerikaner war unter 17 Jahre alt. 80 Prozent der WeiĂen waren ehemalige Untertanen des britischen Weltreiches; 98 Prozent der GlĂ€ubigen stellten die protestantischen Kirchen. Alle zusammen besiedelten ein Gebiet, das kaum gröĂer als Frankreich war. Der Wohlstand war bescheiden, aber weit gleichmĂ€Ăiger verteilt als in der Alten Welt.
Eine Nation war man 1790 allerdings noch lange nicht. Dazu fehlte der geistige Zusammenhalt: Die BĂŒrger in den Vereinigten Staaten verstanden sich als Caroliner, Virginier, Pennsylvanier, New Yorker, NeuenglĂ€nder ...
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© 2003 by Charles Löffler
