Der Kampf um die Neue Welt
Wohin die Europäer jedoch kommen, Überall halten sie es für selbstverständlich, dass die Ureinwohner ihnen Platz machen. Wer sich weigert, wird umgebracht, wer sich nicht weigert, zuweilen auch: Am 25. Februar 1643 befiehlt Generaldirektor Willem Kieft seinen Soldaten, die friedlichen Algonquin-Indianer zu überfallen. Die Holländer erschießen Männer, Frauen und Kinder, schlagen ihnen die Köpfe ab und laufen damit jubelnd durch die Straßen.
Kieft wird abgesetzt und geht auf der Heimfahrt unter. An seine Stelle tritt - mit einem Fuß und einem Holzbein - Peter Stuyvesant; er will Ordnung schaffen: Die Indianer lässt er in Ruhe, die Straßen lässt er pflastern, und zu schnelles Fahren mit der Kutsche wird bestraft.
1655 erobert er sogar die kleine Kolonie der Schweden, aber neun Jahre danach drehen die Engländer den Spieß um und kreuzen vor Nieuw Amsterdam mit vier Kriegsschiffen auf: Nun ist Stuyvesant der Schwächere - die Kapitulationsurkunde reißt er trotzdem in Fetzen. Seine Mitbürger kleben sie wieder zusammen und erklären frei heraus, dass sie keine Lust haben, fürs Vaterland zu sterben. So wird Nieuw Amsterdam ohne Blutvergießen New York.
Mit der Zeit wandelt sich Nieuw Harlem zu Harlem, Breukelen zu Brooklyn und die Waalstraat zur Wallstreet. Selbst der Schimpfname für einen Engländer wird zurechtgebogen: Jan Kees heißt schließlich Yankee. Stuyvesant aber bleibt; er züchtet Pfirsiche und dichtet seine eigene Grabinschrift: "Tritt nicht zu feste in den Sand, denn hier liegt Peter Stuyvesant..."
Durch die Einnahme Nieuw Nederlands verbinden die Engländer ihre Kolonien im Süden mit denen im Norden - und treiben die Kartographen zur Verzweiflung: Wie oft haben sie die Amerikakarte in den letzten Jahren nicht schon neu zeichnen müssen!
Ein Landstrich unterhalb von Massachusetts bekam den Namen Connecticut, tief im Süden machte sich Carolina breit, und in der Mitte gibt es jetzt plötzlich New York und New Jersey - allerdings nicht lange: 1673 erobern die Holländer ihre alte Kolonie zurück und taufen sie "Nieuw Oranje". Ein Jahr später gelten wieder die englischen Namen.
Inzwischen müssen die Indianer das Land mit über hunderttausend Einwanderern teilen. Ihr Hass nimmt immer mehr zu - und 1675 entlädt er sich: Unter dem Befehl Häuptlings Metacoms greifen fünftausend Krieger die Kolonien im Norden an. Ein Jahr darauf hauen die Puritaner Metacoms Leichnam in vier Teile und ketten ihre Gefangenen im Rumpf einiger Sklavenschiffe fest. Wer unterwegs nicht stirbt, sieht die Sonne erst in Westindien wieder.
Unaufhaltsam dringen die Europäer vor: 1679 erhebt König Karl II. das Land der Abnaki-Indianer zur Kronkolonie New Hampshire. Stückwerk im Vergleich zu jenem Coup, den 1682 der Franzose Rene Robert Cavelier landet: Im Namen Ludwigs XIV. nimmt er kurzerhand alles Land in Besitz, von Kanada bis zum Golf von Mexiko.
Hier, am Unterlauf des Flusses leben die Natchez-Indianer. Ihr Häuptling führt den Titel "Große Sonne", doch nicht etwa nach ihn benennt Cavelier das Land sondern nach jenem Herrscher der in Europa mit der Sonne verglichen wird: Per Proklamation heißt das Reich der Natches auf einmal "Louisiana", genauso wie das der Sauks, Miamis und Illinois. Von Versailles aus gesehen ist die "Große Sonne" nur der Trabant einer größeren....
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© 2001 by Charles Löffler