Die Indianer des Ostens
Im Gegensatz zur Eroberung der groĂen Ebenen und des Fernen Westens, die nur einige Jahrzehnte dauerte, erstreckte sich die Unterwerfung der Indianer des Ostens ĂŒber mehr als zwei Jahrhunderte von der GrĂŒndung der ersten europĂ€ischen Kolonien bis zur Vertreibung der fĂŒnf zivilisierten Nationen ab dem Jahr 1835.
Der Osten, das war der Lebensraum der Waldlandindianer. Hier hatte sich, in unterschiedlichen Formen, eine einheitliche Kultur entwickelt: Jagd und Fischfang sowie der Anbau von Mais, Bohnen und KĂŒrbissen bestimmten Lebensweise, Organisation und GebrĂ€uche der einzelnen Völker und StĂ€mme, die es allerdings zu ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen brachten.Als erste europĂ€ische Macht drang Frankreich in den Nordosten des noch unbekannten Kontinents ein und knĂŒpfte mit den Indianern Handelskontakte, Wettbewerbsdenken und Brotneid, die zwischen den einzelnen StĂ€mmen ebenso wie unter den europĂ€ischen MĂ€chten herrschten, fĂŒhrten dabei zur Bildung verschiedener BĂŒndnisse und zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen.
Der Nordosten wurde im wesentlichen von StĂ€mmen zweier groĂer Sprachgruppen bewohnt: Irokesen und Algonkin. Zwischen den an den groĂen Seen lebenden Algonkin-StĂ€mmen und den Franzosen hatte sich im Lauf der Zeit ein recht freundschaftliches VerhĂ€ltnis entwickelt, da es die Franzosen besser verstanden, sich auf die MentalitĂ€t der Eingeborenen einzustellen als die EnglĂ€nder. MaĂgeblichen Anteil daran hatten die französischen Jesuiten, die sich durch ihr praktisches Christentum und ihre Toleranz wohltuend von den englischen Puritanern unterschieden. So lag es nahe, dass diese StĂ€mme auch gegen England hĂ€ufig auf der Seite Frankreichs kĂ€mpften.
Schon traditionelle Feindschaft herrschte zwischen den Algonkin und den meisten irokesischen StĂ€mmen. Als geschickte Machtpolitiker wussten die EnglĂ€nder dies auszunĂŒtzen. Sie zeigten sich den Irokesen von der freundlichen Seite, und so gelang es ihnen, sie als VerbĂŒndete gegen Frankreich zu gewinnen. Die diversen blutigen Auseinandersetzungen endeten 1763 mit dem Frieden von Paris. Darin trat Frankreich Kanada an England ab und erkannte den Mississippi als Grenze zwischen den britischen Kolonien und Louisiana an, das nun an Spanien ĂŒberging.
Die Beziehungen zwischen Indianern und WeiĂen verĂ€nderten sich grundlegend, als immer mehr Siedler ins Land kamen. Auch die bisherigen britischen VerbĂŒndeten wollten immer mehr LĂ€ndereien erwerben. Die Vorstellung, Land als persönliches Eigentum zu betrachten, war den Indianern, die allenfalls eine Art Nutzungsrecht kannten, völlig fremd. Sie schlossen VertrĂ€ge und waren erstaunt und erbittert, wenn ihnen die WeiĂen dann den Zutritt verwehrten. Ăberdies hatten gerade die EnglĂ€nder oft weitreichende VertrĂ€ge mit simplen Dorf-HĂ€uptlingen geschlossen, denen sie dann den Beinamen König gaben und ihnen eine Macht- und EntscheidungsfĂŒlle unterjubelten, die sie gar nicht besaĂen. Sprachen sich andere HĂ€uptlinge gegen einen solchen Vertrag aus, so galten sie als Rebellen.
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© 2001 by Charles Löffler