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In die neue Welt

Rauchwolken und Pilgerväter

Doch dann gehen Virginias Probleme buchstäblich in Rauch auf: Der findige John Rolfe beginnt, Tabak anzubauen und schickt 1614 eine Ladung nach England. Die Raucher der Nation stopften sich die neue Sorte in ihre Pfeifen, nehmen ein paar Züge - und sind voll des Lobes. Die Nichtraucher dagegen schreien Zeter und Mordio, allen voran König Jakob: "Der schwarze stinkende Rauch ist dem Auge widerwärtig, der Nase verhasst und den Lungen gefährlich!"

Doch ob mit oder ohne königlichem Segen - jetzt wagen viele den Sprung in die neue Welt, auch jene, die einmal den Namen "Pilgerväter" bekommen werden. An einem Julitag des Jahres 1620 besteigen sie im holländischen Delfshaven das kleine Schiff "Speedwell", fünfzig Männer, Frauen und Kinder. Sie tragen schwarze Kleider und weiße Halskrausen, die Frauen Kopftücher oder Hauben, die Männer hohe Hüte. Zuletzt haben sie in Leiden gewohnt, weil ihnen daheim in England König Jakob das Leben schwer machte:

Der Raucherfeind kann auch Puritaner nicht leiden. In Holland wiederum haben sie wenig verdient, und das ist nach ihrem Glauben ein schlechtes Zeichen: Nur wer zu Lebzeiten mit Geld gesegnet ist, fährt nach dem Tod nicht zur Hölle. Darum wollen die "Pilger" ihr Glück nun in Virginia versuchen. In Southampton steigen sie um auf die größere "Mayflower" und nehmen auch fünfzig "Fremde" mit an Bord.

Zwei Monate segeln sie gen Westen. Vor der amerikanischen Küste bläst ein Sturm die "Mayflower" nach Norden; so kommt es, dass die "Pilger" Virginia verfehlen. Da es schon November ist, beschließen sie, trotzdem an Land zu gehen und eine eigene Kolonie zu gründen. Noch an Bord unterzeichnen sie den "Mayflower Compact" der festlegt, dass jedermann gerecht behandelt werden soll.

"Plymouth" heißen die schiefen Hütten, die sich nach ein paar Wochen zwischen Meer und Wald zusammendrängen. Der Wind pfeift durch alle Ritzen, die Kälte dringt herein und die Proviantfässer leeren sich. Bis zum Frühjahr ist die Hälfte der Bewohner gestorben...

Als die "Pilger" einmal mehr beratschlagen, wie es weitergehen soll, steht plötzlich der Indianer Squatno in der Tür ihres Gemeindehauses und bietet ihnen seine Freundschaft an. Das ist die Rettung, denn der "Wilde" versteht das Land zu kultivieren. Dank seiner Hilfe können die "Pilger" im Herbst eine gute Ernte einbringen und Amerikas erstes "Thanksgiving-Fest" feiern.

Dass Pioniere einer nordamerikanischen Kolonie nicht unbedingt hungern und frieren müssen, bewiesen die Holländer: Sie lassen sich auf "Manna-hatin" nieder, der Halbinsel an jenem Fluß, den 1609 der Entdecker Henry Hudson befahren hat.

Hier gibt es Otter und Biber mit wertvollen Pelzen, genug Indianer, die darin geübt sind, sie einzufangen, und einen sicheren Naturhafen für die Schiffe der Kaufleute. Im Auftrag der Westindischen Kompanie beginnt Generaldirektor Peter Minnewit aus Wesel, den Indianern ihr Land abzukaufen. Gut zahlt er nicht gerade: für ganz Manna-hatin eine Kiste Tücher, Knöpfe und Glasperlen...

In den nächsten Jahren bauen die Holländer dort ein Städtchen mit Gracht und Windmühle: Nieuw Nederlands.

1631 entheben die "Hochmögenden Herren" der Westindischen Kompanie Peter Minnewit seines Postens; sie werfen ihm vor, zu großzügig Land verteilt zu haben. Wie ärgert sich der nachfolgende Generaldirektor Willem Kieft, als Minnewit sieben Jahre später zurückkehrt und gleich neben Nieuw Nederlands eine zweite Kolonie gründet - diesmal für Schweden!

Die Engländer bleiben aber in der Überzahl: Seit König Karl I. vorlauten Puritanern die Ohren abschneiden lässt, flüchten sie zu tausenden in das Land "bei den großen Hügeln", auf indianisch "mass adchu-ut" genannt, auf englisch bald "Massachusetts". Unter ihnen sind auch die Aktionäre der "Massachusetts-Bay-Company", die über ihre Kolonie in Zukunft an Ort und Stelle beraten. In England wird Reklame verteilt: Leute, die vielleicht auswandern wollen, blättern im "New England's Prospekt" und lesen dort, das Land sei "äußerst angenehm", sprich "frei von den drei großen Ärgernissen Wölfen, Klapperschlangen und Mücken" - was will man mehr?

Es dauert nicht lange, und die Kolonisten verkaufen Kabeljau nach Spanien, Holz in die Karibik und - Puritanismus hin oder her - Rum nach England.

In anderen Fällen nimmt man es mit der Lehre wieder sehr genau: Als Roger Williams Gewissensfreiheit fordert und Anne Hutchinson die Meinung äußert, Gott urteile den Menschen nicht schon ab, bevor er überhaupt ins Leben trete, da werden beide verbannt.

Williams gründet die Siedlung Providence, Anne Hutchinson lässt sich auf Rhode Island nieder. Sie bleiben nicht lange allein: Baptisten folgen ihnen, aber auch jeder andere darf "nach seinem Gewissen wandeln". In der Kolonie Maryland wiederum siedeln überwiegend Katholiken.

 

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© 2001 by Charles Löffler


Letztes Update: 02.10.2006


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