Steuerpolitik und Staatsverdrossenheit
In jenem Jahr nämlich hatte sich König Georg III. entschlossen, seine Autorität auch in den Kolonien kräftiger zur Geltung zu bringen und wollte deshalb die Befehle zur Beschlagnahme von Schmuggelgut, die noch von seinem Vorgänger herrührten, zur Geltung bringen. Wie das? Fragten sich die Amerikaner. Ein Beschlagnahmebefehl für amerikanische Waren könne allenfalls von einem amerikanischen Gericht ausgestellt werden, aber nicht von einem britischen Parlament! Letzteres verlieh den Maßnahmen des Königs durch Zustimmung erst Verbindlichkeit.
Mitnichten, konterten die Engländer: Ein britischer Abgeordneter im Londoner Unterhaus vertritt alle Briten weltweit, also auch die amerikanischen Kolonisten! Und sie erließen mit dieser Rückendeckung eine Reihe von Finanzgesetzen, die ein Musterbeispiel dafür sind, wie man sich die Regierten durch Steuerpolitik entfremden kann.
Zunächst kam im Jahre 1764 der Sugar Act: Der Zoll auf Zuckereinfuhren wurde halbiert, um den Anreiz zum Schmuggel geringer zu machen. Dazu kam im selben Jahr der Currency Act, der die weitere Ausgabe von Papiergeld in den Kolonien verbot und es damit den Amerikanern unmöglich machte, ihre Schulden, die noch aus dem Kriege herrührten, im Mutterland auf leichte Weise zu begleichen. Am bittersten empfunden wurde jedoch der Stamp Act von 1765: Damit wurde eine Steuer auf Zeitungen, Zeitschriften, Dokumente, Handelspapiere, Spielkarten und sogar Würfel erhoben.
Die geschätzten Einnahmen sollten zusammen mit dem Zuckerzoll ein Drittel der Kosten für das stehende Militär in Amerika bestreiten. Denn das war der springende Punkt: England hatte nach dem Sieg über Frankreich (1763) seine Truppen im Lande verstärkt, teils aus Misstrauen, weil man nicht ohne Grund nach dem Wegfall der französischen Bedrohung den Übermut der Kolonisten fürchtete. Teils aber auch aus Fürsorge, denn unmittelbar nach Kriegsende hatte es an der offenen Westgrenze erneut Ärger mit den Indianern gegeben. Die Franzosen, die als Schutzmacht der Stämme am oberen Mississippi und Ohio agiert hatten, waren nicht mehr im Lande, deshalb wurden die Indianer nervös, zusätzlich noch gereizt durch immer mehr Siedler, die über die Appalachen strömten. So schlug Häuptling Pontiac im Jahre 1763 los und beschäftigte 20.000 britische Rotröcke, bis er zurückgeschlagen und ermordet wurde. König Georg III. reagierte mit dem Befehl, die Kolonien nicht über die Appalachen hinweg auszudehnen.
Es kennzeichnet die ungute Stimmung, die inzwischen herrschte, dass die Amerikaner dies der königlichen Missgunst zuschrieben, die Kolonien nicht zu groß werden zu lassen, und am Ende könnten sie gar Geschmack finden am Handel mit den reichen Ländern Spanisch-Amerikas...
Von nun an wurden in den Kolonien britische Waren strikt boykottiert. Ein gewisser Samuel Adams gründete eine Schlägertruppe namens Freiheitssöhne, die alle Gesetzestreuen terrorisierte und den Regierungsagenten für die Stempelsteuer so gründlich das Handwerk legte, dass die britische Regierung diese Steuer tatsächlich abschaffte und alle Zolltarife ersatzlos strich bis auf den Tee-Zoll.
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© 2001 by Charles Löffler