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Von der Freiheit zur Einheit

Vom Sieg in die Krise

Die Übernahme der PrĂ€sidentschaft durch Washington markierte das Ende der amerikanischen Revolution. 13 Jahre nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung hatten sich die 13 Staaten eine funktionsfĂ€hige Verfassung gegeben. "Jeder Mensch braucht ein Idol. Und unser politisches Idol sollten die Verfassung und die Gesetze sein", erklĂ€rte schon 1791 ein Bundesrichter.

Dabei war der Weg von der Freiheit zur Einheit alles andere als einfach gewesen, denn die Frage der Regierungsform spaltete die Amerikaner in viele Lager:

Da gab es die Royalisten, fĂŒr die "Demokratie" und "Republik" ein rotes Tuch bedeuteten. Einige streckten schon die FĂŒhler aus und suchten in den europĂ€ischen FĂŒrstenhÀusern einen Prinzen, der zum "König von Amerika" gekrönt werden könnte.

Dann gab es MÀnner, vor allem unter den Offizieren der siegreichen UnabhÀngigkeitsarmee, denen es schon beim Gedanken an eine Volksregierung schauderte und die deswegen auf einen MilitÀrdiktator nach dem Vorbild Cromwells setzten.

Überhaupt war dem amerikanischen BesitzbĂŒrgertum die Angst vor der "Herrschaft des Pöbels" gemein. Und ihre Sorge war nicht unbegrĂŒndet: Immer wieder kam es zu "Volkstumulten", wenn verschuldete Farmer sich selber zu ihrem "Recht" verhelfen wollten...

Kein Zweifel, in den 13 Staaten gĂ€rte es! Der Frieden von Paris hatte ihnen zwar die UnabhĂ€ngigkeit gebracht, aber auch ein ganzes BĂŒndel an Problemen beschert: Die wirtschaftliche Situation war verheerend. England entzog seinen frĂŒheren Kolonien die alten Wirtschaftsprivilegien, der blĂŒhende Handel mit Britisch-Westindien wurde fast vollstĂ€ndig unterbunden, Farmer und Fischer, Kaufleute und HĂ€ndler blieben auf ihren Produkten sitzen.

Aber auch das Finanzwesen war völlig zerrĂŒttet - die Auslandsschuld belief sich auf 7,9 Millionen Pfund Sterling, der ZinsrĂŒckstand auf 1,76 Millionen, und das Steueraufkommen deckte weder die Kriegskosten noch die Folgelasten. Um dennoch seine Schulden bezahlen zu können, betĂ€tigten der Kongress wie die Einzelstaaten die Notenpresse. Eine gewaltige Inflation kam ĂŒber das Land. Farmer verloren ihren Grund und Boden, GlĂ€ubiger flohen, GeschĂ€fte schlossen - im Juli 1787 erreichte die Krise ihren Höhepunkt.

Zur wirtschaftlichen SchwĂ€che gesellte sich die politische: Die 13 Staaten pochten auf ihre SelbstĂ€ndigkeit. Nachdem sie die Londoner BĂŒrokratie abgeschĂŒttelt hatten, wollten sie sich nicht wieder einer starken Zentralmacht ausliefern! Ein wilder Individualismus war die Folge: Jeder Staat erließ seine eigenen Steuern und Zölle, belegte selbst Waren aus den Nachbarstaaten mit Abgaben - je nach GutdĂŒnken. Von den Angelegenheiten des Staates Georgia, so klagte der spĂ€tere PrĂ€sident Virginias, Madison, wisse er ebenso wenig wie von denen Kamtschatkas...

Die Union hatte weder die Macht noch die Möglichkeiten, den Egoismus der Einzelstaaten einzuschrĂ€nken. Zwar besaß der Kongress scheinbar umfassende Vollmachten, jedoch fehlte ihm die AutoritĂ€t, seine Gesetze auch durchsetzen zu können. Der Staatenbund besaß weder einen Regierungschef, noch gab es ein oberstes Gericht, dass die Missachtung der Unionsgesetze bestraft oder StreitfĂ€lle geschlichtet hĂ€tte. Da jeder Delegierte an Weisungen seines Heimatstaates gebunden war, blieb die Arbeit oft stecken; und weil der Kongress keine direkten Steuern eintreiben konnte, litt die Union an chronischem Geldmangel.

"In einem Wort", so schrieb George Washington 1785 resigniert, "die Konföderation scheint mir wenig mehr als ein Schatten zu sein und ohne Substanz, und der Kongress eine kindische Körperschaft, auf deren Anweisung kaum gehört wird..."

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© 2001 by Charles Löffler

 


Letztes Update: 02.10.2006


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