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Die Herren des Landes

Von Stämmen und Hausgemeinschaften

Die Indianer haben nie das Bedürfnis empfunden, mehr als einige Sippen zusammenzuschließen, was schon einen "Stamm" ergab. Dessen Zusammensetzung konnte variieren, weil die Zusammengehörigkeit nicht nur blutsmäßig, sondern auch religiös bestimmt war:

Wer dasselbe Totemtier, wie es auf den Holzpfählen rund um die Zelte der Siedlung eingeschnitzt war, als seinen ersten Ahnen anerkannte, der gehörte dazu!

Die Stammesnamen, die ab der englisch-französischen Kolonialzeit auftauchten, gab es vorher meist nicht; sie umschrieben erst ab dem Kontakt mit den Weißen eine bestimmte Einheit.

Einer der Hauptgründe für das Unterliegen der Indianer gegenüber den Weißen wurde, dass sie aus dieser Zersplitterung niemals herausgefunden haben. Sie brachten sich nicht als "Herren des Landes" tatsächlich zur Geltung. Das kann bei Jägervölkern gar nicht anders sein, denn wer jagt, "besitzt" das Land nicht wirklich, sondern schreibt sich nur das Recht zu, sich das Wild in diesem Lande anzueignen...

Es gab freilich auch sesshafte Indianer nördlich und westlich des Rio Grande, deren Kultur noch in Saft stand, als Kolumbus landete. Die Spanier phantasierten von einem "Eldorado" im Norden Mexikos und bildeten sich dort die "Sieben Städte von Cibola" ein:

Franzisko de Coronado erblickte im Jahre 1540 zum ersten Mal solch eine "Stadt", eine "Pueblo-Siedlung" aus Adobe - d.h. getrockneten Lehmziegeln - gebaute, kastenförmige Häuser auf engem Platz, die über 1.000 Menschen aufnehmen konnten, und die pauschal gesprochen, von "Pueblo-Indianern" bewohnt wurden.

Doch gehörten die Bewohner dieser ganzen Region von Arizona, New Mexiko und Colorado nicht zusammen; jedes "Pueblo" (= "Volk" oder auch "Dorf" auf spanisch) bildete eine selbstständige politische Einheit mit nur dürftigen Verbindungen zum nächsten Nachbarn.

Gemeinsames architektonisches Element war der "kiwa", ein kreisrunder Versammlungsraum zwischen den Häusern, den man nur mit einer Leiter über sein Dach betreten konnte. Das weist darauf hin, dass dieser Raum von Geheimnis umgeben sein sollte. Er war der Beratung der älteren des "Pueblo" oder der Einführung der Jünglinge in die Gesellschaft der Erwachsenen vorbehalten.

Die Bevölkerung der Pueblos war friedlich, handwerklich geschickt, arbeitsam und mumifizierte ihre Toten. Der Ackerbau in der Umgebung brachte Bohnen, Kürbisse und Mais. Ab 8000 v.Chr. ist die Kunst, das Feld zu bestellen, in Mexiko nachweisbar.

Von dort wanderte sie allmählich nordwärts, hatte aber nur in den trockenen Regionen des Südwestens eine Chance, da das Grasland zwischen Rocky Mountains und Mississippi dafür ungeeignet war und östlich davon viel Wald mit Wurzeln, Wild und Früchten Ackerbau überflüssig machte.

Manche "Pueblos" waren bis über die spanische Herrschaft hinaus bewohnt, manche schon einige Jahrhunderte vor der Ankunft der Eroberer verlassen worden. Der Grund für die Aufgabe könnten kriegerische Verwicklungen gewesen sein: die Athabaska-Indianer, die Vorfahren der wilden Apachen, drangen aus dem mittleren Kanada nach Süden vor.

Überraschenderweise haben die "Pueblos" sich nicht um künstliche Bewässerung gekümmert, obwohl ihre Gegend beständig von Dürre geplagt war.

Weiter südlich am Gila-Fluss hauste der Stamm der Hohokam, der um 1000 n.Chr. seinen historischen Höhepunkt erlebte und kilometerlange Kanäle und künstliche Staudämme errichtete, mit denen eine gleichbleibende Bewässerung der Maisfelder sichergestellt war...

Auffällig ist die Keramik der Hohokam, die viele adrette Figürchen aufweist, besonders gern das Motiv von Schlange und Vogel. Das erinnert an die Azteken und ebenso erinnern die freigelegten Ballspielplätze an kulturellen Einfluss aus Zentralamerika.

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© 2001 by Charles Löffler

 

 


Letztes Update: 02.10.2006


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