 | | Das Territorium im Westen |  |

Die Geschichte der Vereinigten Staaten kann man nicht verstehen, ohne den Einfluß der geographischen Struktur zu berücksichtigen. An den Ufern des Atlantischen Ozeans erstrecken sich die Küstenebenen, in denen die ersten dauerhaften Niederlassungen der Siedler entstanden. Jenseits dieses Gebietes liegt das Alleghenygebirge, eine natürliche Barriere gegen das Vordringen der Menschen. Und genau hinter dieser bergigen Region und dem großen Mississippi dehnt sich der Westen aus, der bis zu den Rocky Mountains reicht. Man kann ihn in Zonen unterteilen, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Morphologie, ihres Klimas und damit ihrer Flora und Fauna genau unterschieden sind. Vereinfachend kann man sagen, daß er aus dem Zentralen Tiefland, den Osage-Ebenen und den Großen Ebenen besteht. Das Zentrale Tiefland dehnt sich jenseits der Appalachen um die Großen Seen herum aus und reicht im Westen bis zum Tal des Missouri.
Als seine Merkmale gelten die endlose Weite, niedrige Höhenzüge mit unbedeutenden einzelnen Erhebungen und große Flüsse wie der Cumberland und der Illinois. Südlich des Missouri liegen die Osage-Ebenen, die sich bis Mitteltexas ausdehnen. Im nördlichen Teil dieser Ebenen haben die Flüsse bis zu 300 Meter tiefe Schluchten gebildet. Dann folgen die Großen Ebenen, ein umfangreiches Territorium von annähernd 4000 Quadratkilometern, das von Norden nach Süden einen geschlossenen Streifen umfaßt, der sich von Kanada bis zum Golf von Mexiko hinzieht und im Westen bis zu den Rocky Mountains reicht.
Dieses gesamte riesige Gebiet gehört zum hydrographischen Becken des »Vaters der Flüsse«, des Mississippi. Man unterscheidet besondere Zonen, oft von Legende und phantastischen Geschichten umwoben. Nördlich des White River liegen die Bad Lands, die »Schlimmen Lande«, mit nackten, durch Erosion gekenzeichneten Lehmböden. Weiter westlich die Black Hills, die den Indianern heiligen Schwarzen Hügel, und die Bighorn Mountains, in denen der gleichnamige Fluß entspringt, der für die amerikanische Armee eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Diese ersten Erhebungen sind die Vorboten der wesentlich höher aufragenden Gipfel der Rocky Mountains.
Nach Süden hin, in Utah, erheben sich aus dem Wüstensand die majestätischen Monolithe des Monument Valley, berühmt durch die zahlreichen Filme von John Ford, während man noch weiter im Süden zur Hochebene des Colorado gelangt, die, durch seinen Fluß tief eingeschnitten, den Grand Canyon bildet, der über 1000 Meter tief ist. Wenn man die Bergketten weiter im Süden hinter sich gelassen hat, dehnt sich, so weit das Auge reicht, das Death Valley aus, das »Tal des Todes«, eine Senke, die stellenweise bis zu 85 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Im Osten, im Gebiet, das durch den Canadian River und den Pecos River begrenzt wird, liegt der Llano Estacado (die gepfählte Steppe). Der Name kommt vermutlich von den Pfählen, die entlang den Pfaden, die zum Wasser beziehungsweise zur Prärie führten, in den Boden gerammt waren. Der äußerste Westen der Vereinigten Staaten wird durch ein enges langes Bergband gebildet, das parallel zur Küste verläuft. Zwischen der Sierra Nevada und den Küstenbergen dehnt sich das Tal von Kalifornien aus.
Auf Grund derart markanter geographischer Unterschiede wechselt das Klima im Westen den Zonen entsprechend. Das Klima des Zentralen Tieflands ist vorwiegend kontinental gemäßigt, mit starken Wärmeschwankungen und zwei deutlich ausgeprägten Jahreszeiten: dem schneereichen Winter und dem warmen regnerischen Sommer. In den Großen Ebenen herrscht ein halbtrockenes Klima, mit spärlichen Niederschlägen, die eine steppenartige Pflanzendecke hervorbringen. Die Regenzeit ist das Frühjahr, sie beginnt im April und erreicht ihren Höhepunkt im Mai und Juni. Die Winter sind trocken; allerdings gibt es nicht selten ausgesprochene Hagelstürme. Kennzeichnend sind die Winde mit hoher Geschwindigkeit, die durch die weiten Ebenen und durch das Fehlen von Bäumen begünstigt werden. Sie haben besondere Namen, wie Chinook, Northern, der starke Nordwind, oder Blizzard, der Schnee und Eiseskälte mit sich bringt. Der Wind ist vor allem in Kansas und lowa ein entscheidender Faktor, es sind die Staaten, die am häufigsten von Tornados heimgesucht werden; diese Winde können bis zu 500 Meilen pro Stunde erreichen. Sie können zu jeder Zeit des Jahres losbrechen, treten aber am häufigsten im Frühjahr und zu Beginn des Sommers auf.
Im Westen liegen viele große Flüsse, die zum größten Teil in den Mississippi münden. Darunter sind der Missouri (der das Wasser des Yellowstone, des Platte und des Kansas aufnimmt), der Arkansas, der Red River, der Tennessee und der Illinois. Die Region der Rocky Mountains wird vom Columbia, vom Snake und vom Colorado durchflossen. Die Fauna variiert dem Klima entsprechend. In den Großen Ebenen gibt es wegen der Trockenheit eine große Anzahl von Erdtieren wie Maulwürfe, Kaninchen, Hasen und Präriehunde. Diese Weiten wurden früher auch von Kojoten und Wölfen bewohnt. Das charakteristischste Tier jedoch war das Bison, das in großen Herden durch die endlosen Weiten zog und das Leben in den Ebenen entscheidend bestimmte. Für die Indianer bedeutete es Nahrung, Schutz, ja das Überleben schlechthin.
Als die amerikanische Regierung die drastische Entscheidung traf, das Indianerproblem radikal zum Abschluß zu bringen, forderte sie weiße Jäger auf, so viele Bisons wie möglich zu erlegen. In den endlosen und monotonen Prärien liefen Wildpferdherden frei herum, die Mustangs (das Wort leitet sich vom spanischen mesteno her, das »wild« bedeutet), die die Indianer und die Cowboys einzufangen und zu zähmen lernten. Im bewaldeten Gebiet der Rocky Mountains im Norden zogen Elche, Hirsche, Bergziegen, Wölfe, Füchse und beeindruckende Braunbären (Grizzly) umher. In den Wüstenregionen lebten Arten, die sich dem trockenen Klima anzupassen verstanden: Puma, Nager und Schlangen, vor allem Klapperschlangen. Die Region an der Pazifikküste, die reich an Wasser und Vegetation ist, hat immer noch eine vielfältige Fauna, deren typischer Vertreter der Kondor ist.
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Letztes Update: 08.04.2008
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